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"Bürgermeisteramt wird immer belastender"

04.03.2010
Nach dem Freitod des Ansfeldner Bürgermeisters ist auch die mediale Aufregung groß. Die Todesfälle unter aktiven Bürgermeistern nehmen in den letzten Jahren zu, teils gibt es schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen. Sehen Sie hier auch den ZIB 2-Beitrag mit Präs. Helmut Mödlhammer zu diesem Thema.

Bestürzt zeigt sich Gemeindebund-Präsident Bgm. Helmut Mödlhammer über den Freitod des Ansfeldner Ortschefs Walter Ernhard. "Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind in diesen Tagen bei der Familie unseres Kollegen", so Mödlhammer am Rande der Sitzung des Bundesvorstandes des Österreichischen Gemeindebundes in Wien. "Leider haben wir seit einigen Jahren mit Todesfällen von Bürgermeistern im aktiven Dienst zu kämpfen", so Mödlhammer, der zu diesem Thema auch zu Gast in der ORF-Sendung ZIB 2 am Donnerstag war.

Sehen Sie hier den ZIB-Beitrag vom 4. März 2010

Die Todesfälle unter aktiven Bürgermeistern treten in den vergangenen Jahren häufiger auf", so Mödlhammer. "Die psychische Belastung, die oft aus diesem Amt entsteht und Jahr für Jahr zunimmt, ist sicherlich ein Grund für diese traurige Entwicklung. Die Kolleginnen und Kollegen an der Spitze der Gemeinden stehen unter einem ungeheuren Druck, sie werden für alles verantwortlich gemacht, haben - zumeist neben ihrem zivilen Job - ein unglaubliches Arbeitspensum zu absolvieren. Auch die Fälle, in denen Bürgermeister brieflich oder persönlich bedroht werden, häufen sich massiv."

Anschläge und Drohungen nehmen zu

Erst vor wenigen Tagen wurde auch in Niederösterreich ein Bürgermeister brieflich bedroht. "Man hat ihm die Hülle eines 'Mon-Cheri'-Bonbons geschickt, als Anspielung darauf, dass es ihm genauso gehen könnte, wie jenem Bürgermeister, der nach einem Giftanschlag durch ein 'Mon-Cheri'-Bonbon immer noch im Wachkoma liegt." Im Jahr 2008 wurde auf einen oberösterreichischen Bürgermeister ein Säureattentat verübt, bei dem der Mann verletzt wurde.

Belastungen für Ortschefs zunehmend größer "Es darf nicht sein", so Mödlhammer, der die Bundesregierung dazu fordert etwas zu unternehmen.

Rund ein halbes Dutzend Amtskollegen sei in den vergangenen Jahren im aktiven Dienst als Bürgermeister verstorben, sagt Mödlhammer. "Das liegt vor allem an den großen Belastungen, denen die Ortschefs Tag für Tag ausgesetzt sind." Immer wieder käme es zu gravierenden Burn-Out-Fällen und gesundheitlichen Problemen unter den Bürgermeistern. Gerade deshalb, betont der Gemeindebundpräsident, sei es dringend notwendig, die Rahmenbedingungen für das Bürgermeisteramt zu verbessern. "Wenn ich mir anschaue, wie schlecht die soziale Absicherung in diesem Amt ist und wie groß die Belastungen sind, dann wundert es mich nicht, dass wir Probleme haben, Kandidaten für dieses Amt zu finden."

"Es darf nicht sein!"

"Es darf nicht so sein, dass Menschen gravierende Nachteile hinnehmen müssen, weil sie dieses Amt ausüben. Das betrifft sowohl die Gesundheit, als auch die sozialen Rahmenbedingungen. Seit Monaten fordern wir die Verbesserung dieser Bedingungen von der Bundesregierung ein, geschehen ist leider bisher nichts."

Der Familie des verstorbenen Kollegen in Ansfelden sprach Mödlhammer sein tief empfundenes Beileid aus. "Diese Nachricht ist ein Schock für uns alle", so Mödlhammer vor dem Bundesvorstand, dem höchsten Gremium des Gemeindebundes, dem rund 80 aktive Bürgermeister und Funktionäre des Gemeindebundes angehören.


Verfasser: Redaktion

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