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Pressestimmen zur Wien-Wahl: "Abgewatschte Großparteien"

11.10.2010


Die Leitartikler der heimischen Medien haben sich naturgemäß sehr intensiv mit dem Ergebnis der Wien-Wahl beschäftigt und versucht, die Verluste von SPÖ und ÖVP einerseits und die hohen Gewinne der Freiheitlichen andererseits, zu erklären. Kommunalnet.at mit einer Übersicht der wichtigsten Pressestimmen.

Christoph Dichand geht in der "Kronen Zeitung" davon aus, dass sich für eine Koalition mit der SPÖ wohl die ÖVP anbieten und sich so in Wien nicht viel ändern werde. Im Zweikampf zwischen Michael Häupl und Heinz-Christian Strache seien die anderen Kandidaten "zermalmt" worden. Auf Häupls Vorstoß in der "Krone" bezüglich einer Volksbefragung über die Wehrpflicht mitten im Wahlkampf ging Dichand nicht ein.






"Das war eine heftige Niederlage für Bürgermeister Michael Häupl und die SPÖ, ein Desaster für die ÖVP, ein erträgliches Ergebnis für die Grünen und ein unglaublicher Triumph für Heinz-Christian Strache und seine Freiheitliche Partei", so Helmut Brandstätter im "Kurier". Es sei der FPÖ gelungen, in die Kernschichten der SPÖ vorzudringen. Strache könne sich mit diesem Ergebnis "wie der legitime Nachfolger von Jörg Haider fühlen". Die ÖVP sei hingegen in Wien zur Kleinpartei geschrumpft, jetzt werde sie ein "billiger Koalitionspartner" für die SPÖ. Die Regierungsparteien hätten im Übrigen auch nicht schlechter abgeschnitten, wenn sie rechtzeitig Details zum Budget vorgelegt hätten, glaubt Brandstätter. Eine "interessante Lehre" gebe es für die Politik noch im Umgang mit den Medien: "Wer sich oft und tief vor der Kronenzeitung verbeugt, gewinnt damit noch lange keine Wahlen."

Strache verfüge in Wien "über ein Monopol auf die Unzufriedenen und damit ein unabsehbares Wachstumspotenzial", schreibt Michael
Fleischhacker
in der "Presse". Die Hauptverantwortung für den "Triumph" der FPÖ trage die Bürgermeisterpartei, u.a. hätten die SPÖ-Strategen den Wahlkampf ganz auf die Frage "Häupl oder Strache" zugeschnitten. ÖVP und Grüne hätten zurecht verloren: "Warum sollte jemand, der mit der Politik der Häupl-SPÖ unzufrieden ist, jemanden wählen, der nichts sehnlicher wünscht, als Teil des Establishments zu sein?" Strache werde nun das selbe Spiel spielen, das Jörg Haider die ganzen 90er Jahre über gespielt habe: "Als Oppositionsmonopolist gegenüber einer ängstlichen Großen Koalition und neben einer grünen Partei, deren programmatischer Radius über die Abgrenzung nach Rechts nicht hinauskommt, wird die FPÖ bis zur nächsten Nationalratswahl auch auf Bundesebene dort sein, wo sie jetzt in Wien angekommen ist: bei 27 Prozent."

Die ÖVP habe sich als Wahlhelferin für die FPÖ betätigt, erklärte Alexandra Föderl-Schmid in einem Kommentar im "Standard". Doch der Ausgang der Wien-Wahl habe gezeigt: "Wer die Auswahl hat, wählt das Original." Wiewohl sich Strache "fast als Kuschel-Rabauke" präsentiert habe, seien die Positionen der FPÖ weiterhin "radikal". Da sowohl ÖVP als auch Grüne in die Regierung drängen würden, habe Häupl die Auswahl: "wer schneller leichter umfällt". Insofern sei das Ergebnis für Häupl sogar noch komfortabel. Die Bundesregierung sollte "aus ihrer Starre und Lähmung erwachen", bis 2013 gebe es auf Landes- oder Bundesebene keine Wahl - "und damit keine Ausreden mehr".

Reinhard Göweil erwartet im Leitartikel der "Wiener Zeitung" eine rot-schwarze Koalition in Wien: "Die nächstmögliche rot-schwarze Paarung, diesmal also in Wien, müsste endlich Reformeifer entwickeln, und zwar beträchtlichen. Sonst wird dieser fulminante Wahlsieg der FPÖ nicht der letzte gewesen sein."

"Das 'rote' Wien ist gefallen", die SPÖ auf einen
Koalitionspartner angewiesen - wahrscheinlich werde das die ÖVP, vielleicht auch die Grünen, schreibt Wolfgang Sablatnig im Leitartikel der "Tiroler Tageszeitung". Die FPÖ könne dem Koalitionsspiel nur zuschauen, sie werde dafür nach außen umso lauter sein - mit gutem Recht, habe sich doch mehr als jeder vierte Wähler für sie entschieden. "Wieder sind SPÖ und ÖVP also daran gescheitert, der FPÖ Paroli zu bieten." Häupls "Hausordnung" für Wien sei offensichtlich nicht glaubwürdig genug gewesen, ebenso wenig sei der Plan der Bundesregierung aufgegangen, die Wahrheit über das Sparpaket 2011 auf die Zeit nach den Wahlen zu verschieben.

Die "Groß"-Parteien seien am Sonntag "abgewatscht" worden wie noch nie, meint Johannes Huber in den "Vorarlberger Nachrichten". Hinter dem Ergebnis stecke vor allem eine Botschaft: Die Wähler seien das "rot-schwarze Herumlavieren" satt, es ziehe sie in Massen zu dem, der ein wesentliches Problem anspreche, nämlich das Integrationsproblem. "Was das betrifft, so schaut die SPÖ weg, und so glaubt man bei der ÖVP, es durch grausame Abschiebungen lösen zu können - ein Irrtum. Doch solange sich an dieser Haltung nichts ändert, muss sich Strache nur hinstellen und den Finger in offene Wunden legen. Schon wird er gewählt."

 

 


Verfasser: Daniel Kosak (presse@gemeindebund.gv.at)



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