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Atomarer Super-GAU: Was müssen Gemeinden im Notfall tun?

22.03.2011
Im nuklearen Ernstfall liegt in Österreich die Zuständigkeit beim BMI.
Bildrechte: Thommy Weiss, pixelio.de
Eine Atomkatastrophe ist in Österreich, bei 14 grenznahen AKWs der Nachbarstaaten, eine realistische Gefahr. Was müssen Gemeinden tun, wenn der atomare Ernstfall eintritt? Wer verordnet Schutzmaßnahmen und von wo kommen die lebenswichtigen Informationen? Kommunalnet hat sich für Sie auf die Suche nach Antworten gemacht.

Die dramatischen Ereignisse im japanischen Fukushima beschäftigen Österreich, auch wenn keine unmittelbare Gefahr droht. Denn auch hier kann ein nuklearer Ernstfall eintreten, wenn es in einem der 14 benachbarten AKWs zu einem Unfall kommt.

Im österreichischen Zivilschutz gibt es je nach Szenario eine Kompetenzteilung zwischen Bund, Ländern und Gemeinden. Bei einer Atomkatastrophe liegt die Zuständigkeit beim Bund, weil es sich um eine überregionale und grenzüberschreitende Krise handelt. Tritt der nukleare Ernstfall ein, wird das Staatliche Krisen- und Katastrophenschutzmanagement (SKKM) im Bundesministerium für Inneres (BMI) aktiv.

Ganze 14 Atomkraftwerke umgeben Österreich. (Grafik: NEWS)Staatlicher Interventionsplan im nuklearen Ernstfall

In Österreich gibt es einen staatlichen Interventionsplan und ein flächendeckendes Frühwarnsystem. 336 Messstationen an der Grenze schlagen Alarm, wenn eine erhöhte Strahlenbelastung gemessen wird. Zusätzlich zu den eigenen Messungen gibt es zwischenstaatliche Meldeverpflichtungen. Im Innenministerium ist das Krisenkoordinationszentrum stets besetzt und wird im Ernstfall zum Kontaktpunkt und Koordinationszentrum: "Wir sind für das Zusammenspiel von allen involvierten Behörden verantwortlich", erklärt Mag. Siegfried Jachs vom Innenministerium gegenüber Kommunalnet.

Zivilschutzverband: "Sie haben Recht, das ist eine Schwachstelle"

Ausgehend vom Krisenkoordinationszentrum werden automatisch via E-Mail zunächst die Länder und in weiterer Folge die Bezirke und Gemeinden informiert. Jede einzelne Stelle muss die Informationen unverzüglich weiterleiten. Laut Alfred Mitrovic vom Niederösterreichischen Zivilschutzverband funktioniert der Kommunikationsfluss "heute mit sehr geringem Zeitverzug", so Mitrovic zu Kommunalnet. Was passiert, wenn Bürgermeister ihre Mails nicht lesen, weil das Gemeindeamt geschlossen hat, kann Mitrovic nicht beantworten: "Sie haben Recht, das ist eine Schwachstelle".

Empfehlungen und Anordnungen von konkreten Schutzmaßnahmen, beispielsweise die Ausgabe von Kaliumiodidtabletten, treffen Lebens- und Gesundheitsministerium. Das Innenministerium leitet alle Informationen und Anordnungen an die Bundesländer weiter, die wiederum als Schnittstelle für Gemeinden und Bezirksverwaltungen dienen. Die Länder vollziehen die Schutzmaßnahmen und können noch zusätzlich Verordnungen erlassen. Zum Beispiel, ob der Aufenthalt im Freien eingeschränkt wird, oder, ob man auf Ernten verzichten muss. 

Das Innenministerium koordiniert, die Länder vollziehen und die Gemeinden informieren. (Bildrechte: Gerd Altmann, pixelio.de)Jachs: "Gemeinden sind wichtige Anlaufstellen vor Ort" 

Auch wenn Gemeinden nicht eigenständig Anordnungen oder Schutzmaßnahmen erlassen können, spielen sie im Kommunikationsfluss an die Bürger eine wichtige Rolle. "Gemeinden sind die Anlaufstelle für die Bürger vor Ort und decken in erster Linie den Informationsbedarf", so Mag. Jachs gegenüber Kommunalnet. Alfred Mitrovits vom Niederösterreichischen Zivilschutzverband erklärt, dass alle Behörden, also auch Gemeinden, "Informationpoints" einrichten müssen, damit sich Bürger persönlich, telefonisch oder per Mail über die aktuelle Lage erkundigen können. Zusätzlich zu den behördlichen Informationen berichten Medien und Teletext, denn der ORF  und die APA werden vom Innenministerium als Medien eingebunden.

Ein umfassender Katastrophenschutzplan in Gemeinden, der das Notfallmanagement und die Informationsweitergabe regelt, ist laut Mag. Jachs sinnvoll. Dabei gilt: "ein umfassendes Krisenhandbuch, wie zum Beispiel in Krems, ist sinnvoll", weil es Orientierung ermöglicht. (Kommunalnet berichtete hier)

Gemeinden sind darüber hinaus in Katastrophenfällen "dort zuständig, wo auch sonst ihr Wirkungsbereich ist", so Mag. Jachs. Der Schutz von Kindergärten und dem eigenen Personal, sowie die Prüfung der Trinkwasserqualität fallen darunter. Ist die Gemeinde Schulerhalter, dann ist sie dafür verantwortlich, Kaliumiodidtabletten zu verabreichen, wenn die Empfehlung ausgesprochen wird. Außerdem müssen Gemeinden an die Länder weiterleiten, ob Hygieneartikel, zusätzliche Tabletten oder andere Hilfsgüter benötigt werden.

 

Kaliumiodidtabletten

Kaliumiodidtabletten reichern die Schilddrüse mit Iod an, damit bei einer nuklearen Katastrophe kein schädliches Iod 131 gespeichert werden kann. In ganz Österreich lagern in Schulen, Apotheken, Spitälern und bei Betriebsärzten fünf Millionen Päckchen Kaliumiodid mit einem Packungsinhalt von zehn Tabletten. Falls dies nicht ausreichen sollte, hat das Innenministerium noch 300.000 Tabletten in Reserve. Alfred Mitrovic bestätigt Kommunalnet, dass Kaliumiodid in Österreich zur Grundversorgung gehört und, dass ausreichend Vorrat für die Einwohner dezentral bevorratet ist. Die Tabletten werden nur dann kostenlos ausgeteilt, wenn es eine konkrete Anordnung vom Gesundheitsministerium gibt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann sich einen Kaliumiodid-Vorrat zulegen, doch momentan sind die Tabletten vergriffen.

Kindergartenkinder und Schüler bekommen ihre Dosis, wenn Eltern eine Einverständniserklärung unterschrieben haben. Erwachsene müssen sich die Tabletten in der Apotheke abholen, sollten sich aber bei hoher Strahlenbelastung auf dem Weg mit Tüchern oder Atemschutzmasken schützen. Bei der Verteilung und Einnahme von Kaliumiodid ist erhöhte Vorsicht geboten und die verträgliche Dosis unbedingt zu beachten:

  • Säuglinge bis 1 Monat: 1/4 Tablette
  • Kinder bis 3 Jahre: 1/2 Tablette
  • Kinder bis 13 Jahre: 1 Tablette
  • Erwachsene von 13- 40 Jahren: 2 Tabletten
  • Schwangere: 2 Tabletten
  • Erwachsene über 40: Keine Einnahme empfohlen


Verfasser: Katharina Lehner (presse@gemeindebund.gv.at)


 verfügbare Downloads

Download Strahlenschutzratgeber BMI (pdf, 2,49 MB)



 weiterführende Links

Informationen zu Kaliumiodidtabletten vom Österreichischen Zivilschutzverband
Informationen zum Katastrophen- und Zivilschutz vom BMI




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