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Steiermark: 31 Kleinstschulen werden 2012 geschlossen

12.01.2012
Werden bald 31 Klassen in der Steiermark leer stehen?
Bildrechte: Manfred Jahreis/pixelio.de
Bereits mit dem Schuljahr 2012/13 steht die Schließung von 31 Volksschulen in der Steiermark an. Fünf weitere sollen 2013 geschlossen werden. Die betroffenen Bürgermeister sind empört und sehen die Schließungswelle als den "Todesstoß" für den ländlichen Raum.

48 einklassige Volksschulen gibt es derzeit in der Steiermark. Einklassig bedeutet, dass mehrer Jahrgänge in einer gemeinsamen Klasse unterrichtet werden. 31dieser Schulen soll es schon im Schuljahr 2012/13 an den Kragen gehen, da sie weniger als 20 Schüler haben. Fünf weitere sollen im Herbst 2013 nicht mehr aufgesperrt werden. Die zwölf Kleinstschulen, die dabei noch übrig bleiben sollen in den kommenden Jahren "beobachtet" werden. Diese Ansage machten Landeshauptmann Franz Voves und sein Stellvertreter Hermann Schützenhöfer im Rahmen der Präsentation des Zwischenberichts zum "regionalen Bildungsplan" unter dessen Agenden Experten die Bildungslandschaft seit einem halben Jahr unter die Lupe genommen haben.

Ebenso betroffen sind zwei von 171 Hauptschulen, und drei polytechnische Klassen mit insgesamt 31 Schülern. In beiden Bereichen stehen vier weitere Schulen unter Beobachtung. Bis Sommer 2012 soll zusätzlich geprüft werden, in welcher Form weitere Zusammenlegungen von insgesamt sechs land- und forstwirtschaftlichen Schulen an drei Orten erfolgen könnten. Es gelte, das Bildungssystem "an die veränderten Gegebenheiten wie sinkende Schülerzahlen" anzupassen, sagte Landeshauptmannstellvertreter Hermann Schützenhöfer. Demnach haben sich die Schülerzahlen im Pflichtschulbereich in den vergangenen 30 Jahren um 42,5 Prozent auf 78.287 reduziert, die Zahl der Schulstandorte sei im gleichen Zeitraum von 857 auf 733 gesunken.

Die betroffenen Standorte seien durch die Empfehlungen der Expertenrunde ausgewählt worden. Sie haben neben der erforderlichen Mindestgröße für einklassige Volksschulen (mindestens 20 Schüler) auch die Frage der Schulwegzumutbarkeit (eine Richtung nicht mehr als 30 Minuten Fahrzeit), die Geburtenentwicklung, die baulichen Zustände der Schulen sowie die Kapazitäten der benachbarten Schulen berücksichtigt, hieß es. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden haben von der Schließung ihrer Schulen jedoch auch erst am selben Tag erfahren.

Bürgermeister erst kurz vor Veröffentlichung der Pläne informiert

Einhellig hört man von den Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden, dass die Schließung der Schule völlig unerwartet kommt. Eine Stunde vor der Pressekonferenz seien die Gemeinden per Mail informiert worden, dass ihre Schule die neuen Kriterien nicht erfülle und deswegen geschlossen werden müsse. Der Vizebürgermeister von Halltal, Siegfried Schneck, war ebenso überrascht, wie die Bürgermeister aus den Gemeinden Salla und Oppenberg. Unbestritten ist, dass gerade die Volksschule eine wichtige Infrastruktur für die Kleingemeinden bildet. Jede der kontaktierten Gemeinden hat um die 300 Einwohner - Jede Gemeinde hat in den letzten Jahren in die Schule investiert und konnte aufgrund der Kleinheit in die Qualität der Bildung investieren.

Bürgermeister Siegfried Steurer aus Salla beruft sich auf Studien, die belegen, dass gerade die Qualität des Unterrichts in einklassig geführten Schulen außerordentlich hoch ist: "Bei uns werden die Kinder nach den modernsten Unterrichtsmethoden gelehrt. Unsere Volksschule hat drei Schwerpunkte: Die Förderung der Selbstständigkeit, Soziales Lernen und Musisch-kreative Förderung." Auch die Gemeinde Oppenberg bestätigt, dass ihre Schüler keineswegs Nachteile in einer Kleinschule gehabt hätten. "Unsere Kinder haben sich auf ihrem weiteren Bildungsweg, egal ob es Hauptschule oder Gymnasium war, eher leichter als schwerer getan, weil sie gerade durch den stufenübergreifenden Unterricht immer schon ein bisserl was von den höheren Klassen mitbekommen haben", so Oppenbergs Bürgermeister Franz Schrattenstaller. Deswegen wiegt der Satz, dass die Schulen die "künftig in den Bildungsstandard geforderten Leistungen" nicht mehr erbringen können, in den Ohren der betroffenen Bürgermeister besonders schwer.

Die Jüngsten sollten nicht so weite Strecken fahren müssen

Neben dem Ärger über die Kritik an der Bildungsqualität, sorgen sich die Bürgermeister auch über die Wege, die zurückgelegt werden müssten, damit die Kinder in die nächste Volksschule gelangen. Gerade in bergigen Regionen liegt die nächste Volkschule oft eine halbe Stunde oder noch mehr Fahrzeit entfernt. "Kinder hätten viel weniger Freizeit und müssten viel früher aufstehen", so Steurer. Nicht nur, dass den Gemeinden mit der Schließung der Volksschule ein wesentlicher Grund genommen wird, warum Familien in die Gemeinde ziehen sollten, sondern auch für die Zukunft wird damit viel zerstört. So sieht dies auch Franz Schrattenstaller: "Wir haben schon immer um unsere Volksschule gekämpft. Zuerst hat man unseren einzigen öffentlichen Bus eingestellt, da sind wir als Gemeinde mit zwei Schülerbussen eingesprungen. Das System ist für die Kinder nun besser als vorher. Sie werden vor der Haustür abgeholt und wieder dorthin gebracht. Gerade bei uns ist das wichtig, da die Menschen zerstreut wohnen und Oppenberg mitten in den Bergen liegt. Gerade im Winter wird der tägliche Schulgang damit beschwerlich. Wenn nun jedoch schon die kleinen Kinder weg müssen, dann ist überhaupt kein Bezug mehr zum Ort da."

Alle Bürgermeister sind seit dieser Hiobsbotschaft rund um die Uhr mit der Beruhigung ihrer Bürger beschäftigt. Während sie selbst die Nachricht noch gar nicht so richtig fassen können, müssen sie sich nun überlegen, wie es weitergehen soll. Alle Bürgermeister geben zu Protokoll, dass die bisherige Hürde von zehn Schülern in den nächsten Jahren erreicht hätte werden können und dass sie auch in die Zukunft ihrer Kinder gerne investiert haben. "Ich finde, eine Kleinschule kostet nichts, im Verhältnis zu dem was zerstört wird", gibt Bürgermeister Steurer  zu. Zwischen 20.000 und 25.000 Euro brauchte die Schule jährlich um auf diesem Qualitätsstandard erhalten zu werden. Dabei waren jedoch immer noch Spielräume, um die Schule weiter zu modernisieren.

"Man redet nicht mit uns"

Dass die Bürgermeister von der Schließung ihrer Schule per Mail eine Stunde vor der Pressekonferenz erfahren mussten, und somit vor beinahe vollendete Tatsachen gestellt wurden, ärgert alle. "Mich ärgert besonders, dass nicht geredet wird", kritisiert auch Vizebürgermeister Schneck. Dabei handelt es sich hier um Bürgermeister, die durch die Bank über 70 Prozent bei den Wahlen erreichen.

"Mir tun die Kinder bei dieser ganzen Sache leid. Die Gemeinde hat für die Schule auf manches verzichtet", meint Siegfried Steuerer abschließend. Trotz der scheinbar aussichtlosen Lage geben sich die Bürgermeister noch nicht ganz geschlagen. Man will für die Zukunft der Gemeinde auch bei den Reformern beim Land kämpfen.

Dirnberger zeigt für betroffene Gemeinden Verständnis

Dass die Vorgangsweise, nicht mit den betroffenen Gemeinden im Vorhinein das Gespräch zu suchen, nicht ganz glücklich war, gibt auch der Präsident der Steiermärkischen Gemeindebunds  zu. "Ich habe für die betroffenen Gemeinden großes Verständnis und kann das Argument, dass das Bildungsniveau in größeren Einheiten höher wäre, in keinster Weise nachvollziehen. Im Gegenteil, Eltern geben ihre Kinder, wenn sie die Wahl haben lieber in kleinere Schulen." Dieser Schritt, so ist er sich sicher, wird die Abwanderung aus den stark ländlichen Räumen beschleunigen.

Vertreter des Landes Steiermark waren für Stellungnahmen nicht erreichbar.



Verfasser: Carina Rumpold (presse@gemeindebund.gv.at)



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