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Fachtagung: Aktives Altern immer noch Tabuthema?

27.06.2012


Die ersten Auswirkungen des demografischen Wandels werden schon heute sichtbar. Gerade Gemeinden kommt bei der Bewältigung der Auswirkungen eine zentrale Rolle zu. Bei der Fachtagung zum Thema "Aktives Altern" in Anif wurden praktische Lösungsmodelle aus den Kommunen präsentiert.

Das Jahr 2012 wurde zum Europäischen Jahr für aktives Altern und Solidarität zwischen den Generationen erklärt. Nicht ohne Grund, denn 2012 ist das erste Jahr, in dem es mehr Menschen über 60 Jahren gibt, als darunter. Die Gemeinden, die letztendlich die passenden Maßnahmen für die neuen Anforderungen umsetzen müssen, standen im Mittelpunkt der Fachtagung "Aktiv im Alter - Herausforderung? Chance?". Am 20. und 21. Juni 2012 versammelten sich Politiker/innen, Wissenschaftler/innen und zahlreiche Praktiker aus den Gemeinden, um gemeinsam über dieses Thema zu reden.

Was bedeutet aktives Altern?

Aktives Altern bedeutet Beschäftigung, Teilhabe an der Gesellschaft und eine eigenständige Lebensführung. Dies solange wie möglich zu gewährleisten, wird nicht nur eine öffentliche, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe der nächsten Jahrzehnte sein.

'AlexanderDemografischer Wandel - zahlreiche Folgeprobleme

Im Zentrum der wissenschaftlichen Inputs stand die Frage, wie man das hohe Niveau der Lebensqualität und des gesellschaftlichen Miteinanders trotz der steigenden Belastung des Wohlfahrtsstaats aufrecht erhalten kann. Dabei ging es vor allem um den Generationenvertrag. Alexander Glas von der Salzburger Gemeindeentwicklung zeichnete ein eher trauriges Bild von der Zukunft. Der demografische Wandel wird nämlich auf vielen Ebenen seine Auswirkungen zeigen. Schon jetzt weisen mehr als die Hälfte der österreichischen Gemeinden ein Wachstum unter dem durchschnittlichen österreichweiten Wert auf. Das führt dazu, dass diese Gemeinden, die unter 0,4 Prozent Wachstum liegen, 2012 weniger Ertragsanteile bekommen. Umso weniger Menschen in den ländlichen Gebieten wohnen, umso weniger können einen Beitrag zu einer aktiven Gesellschaft leisten und umso schwieriger wird es für Gemeinden, die gute Lebensqualität für die Zukunft aufrecht zu erhalten.

Weniger Erwerbstätige - weniger Steuern

Auch für das Steueraufkommen wird der demografische Wandel eine Herausforderung, denn ab 2012 wird die Zahl der Erwerbstätigen erstmals abnehmen, während die Zahl der Menschen über 60 Jahren jährlich um zwei Millionen steigt. Ein Weg, um mit diesem gesellschaftlichen Wandel umzugehen, ist, die Eigenverantwortung und die Selbstorganisation der Bürger zu steigern. Diese Stärkung der Freiwilligentätigkeit wird, so Glas, die größte Herausforderung für die Gemeinden. So genannte "Generationendörfer", in denen Identität und Solidarität, die Förderung des freiwilligen Engagements, sowie Begegnungs- und Erlebnisräume für alle verwirklicht werden, dienen in der Salzburger Gemeindeentwicklung als Modelle um die negativen Auswirkungen abzufedern.

'RosemarieMit 45 Jahren noch ein junger Erwachsener?

Die 74-Jährige Rosemarie Kurz, Referentin für Generationenfragen der Österreichischen Hochschülerschaft, zeichnete ein nicht ganz so düsteres Bild der Zukunft. Trotzdem plädiert auch sie dafür, dass es ein neues Generationenbild geben muss. Durch die steigende Lebenserwartung gehören Menschen bis 45 noch zu den "jungen Erwachsenen" und alle von 65 bis 85 zu den "jungen Alten". Erst ab 86 zählt man zu den "alten Alten". Durch die immer schnellere Modernisierung divergieren die Erlebniswelten zwischen den Generationen immer stärker. Während die Menschen mit 95 Jahren noch die Monarchie und beide Weltkriege miterlebt haben, wuchsen jene Kinder, die 1985 geboren wurden, bereits in einem friedlichen Österreich auf und mussten gänzlich andere Probleme, wie die wachsende Globalisierung oder das Computerzeitalter, bewältigen.

Die Teilnehmer gingen mit neuem Bewusstsein zurück in die Gemeinden. (Bildrechte: Gemeindebund)Mehr Miteinander als Lösung

Kurz sieht die Lösung darin, dass bei jedem Projekt sowohl die Sicht der Jugend, als auch der Senioren mit bedacht werden muss. Um Individualisierung und einem wachsenden Konkurrenzdenken zwischen Jung und Alt entgegen zu wirken, ist die einzige Lösung, dass es brückenbauende Aktivitäten gibt. "Das Gemeinsame entdecken und ein gemeinsames Engagement für wichtige gesellschaftliche Anliegen zu schaffen, sind die Lösungsansätze für eine konfliktfreie Zukunft. Aber auch die Älteren müssen sich ihrer Privilegien bewusst werden, denn keiner anderen Generation wird es so gut gehen, wie dieser", fasst Kurz ihre Lösungsansätze zusammen. Im Audit familienfreundlichegemeinde sieht Kurz erste erfolgreiche Projekte.

'Aktives Altern für Gemeinden keine Last

Beim Talk am Abend des 20. Juni 2012 versammelte sich eine prominente Runde im Anifer Veranstaltungssaal: Salzburgs Landesrätin Tina Widmann, Wissenschaftlerin Rosemarie Kurz, die Vertreter der Landesregierungen Peter Pitzinger, NÖ, und Franz Schützeneder, OÖ, sowie Bürgermeister Anton Bosch aus Leobersdorf, Gottlieb Sailer, Heimleiter des Gemeindeverbands aus Tirol und Gemeindebund-Präsident Mödlhammer diskutierten darüber, wie man die theoretischen Grundlagen in der Praxis meistern kann. Mödlhammer zeigte sich vor den versammelten Vertretern aus den Gemeinden optimistisch: "Die Gemeinden werden diese neue Aufgabe nicht als Last empfinden, sondern mit der einzigartigen Gesellschaftsstruktur, um die uns ganz Europa beneidet, bewältigen."

'LR"Es ist wichtig, dass die Menschen am richtigen Ort zur richtigen Zeit angesprochen werden, denn viele sind bereits auf vielfältige Weise engagiert. Dazu gehört beispielsweise das Verteilen von Essen auf Rädern, das Engagement als Schülerlotse oder auch die Annahme von politischen Ämtern", so Mödlhammer.

Aus europäischer Sicht wird die größte Herausforderung, das richtige Maß zwischen längerer Beschäftigung älterer Arbeitnehmer und der Senkung der Jugendarbeitslosigkeit zu finden. In Spanien gibt es bereits jetzt schon 50 Prozent Jugendliche, die keinen Job finden. In Österreich ist das Problem nicht so dramatisch. Hier gehen Bemühungen eher in die Richtung, ältere Arbeitnehmer als ausgebildete Fachkräfte länger im Berufsleben zu halten.

'Zemma leaba: Vorzeigeprojekt von Bürgern

Mit dem Alter umzugehen ist mehr als Pflegeheime zu bauen. Dessen sind sich viele Gemeinden bewusst. In allen Bundesländern gibt es bereits Programme, die mit den unterschiedlichen Auswirkungen des erhöhten Durchschnittsalters umgehen. Drei Vorzeigeprojekte wurden am 21. Juni 2012 vorgestellt. In der Vorarlberger 11.000-Einwohner-Gemeinde Götzis war der Bau des Generationenhauses der Startschuss, sich über das Miteinander in der Gemeinde Gedanken zu machen. Bald bildete sich eine Gruppe, die die Initiative für ein umfangreiches freiwilliges Engagement namens "Zemma leaba" darstellte. Eine wahrliche Vielfalt an Tätigkeitsfeldern hat sich bis heute daraus entwickelt. Die Freiwilligendatenbank, eine Quali-Mappe für Jugendliche, ein Fahrdienst, das Café der Generationen sind nur wenige der Projekte, die sich seit 2006 daraus entwickelt haben. 

'SehrSelbA - Lässt sich aktives Altern trainieren?

Als eine Mitarbeiterin des katholischen Bildungswerks in Linz 1998 in Pension ging und ein neues Betätigungsfeld suchte, entstand die mittlerweile landesweit verbreitete Initiative "SelbA". Ältere Menschen solange wie möglich selbstständig zu halten, bildet die Grundlage, auf denen sich die drei Säulen (das psychomotorische, das Gedächtnis- und das Alltagstraining) aufbauen. Für die beteiligten Menschen sind diese Kurse jedoch mehr: Es ist eine Möglichkeit, aus der Einsamkeit zu kommen, wieder Spaß zu haben, Anschluss zu finden und aktiv zu bleiben. Über 510 Trainer/innen in ganz Österreich wurden seither ausgebildet. Die Räume werden dabei von der Pfarre, dem Roten Kreuz oder den Gemeinden zur Verfügung gestellt.

Alles in allem zeigte sich, dass das Älterwerden bis heute ein Tabu-Thema ist, mit dem sich niemand gerne auseinander setzt. Die demografische Entwicklung macht es jedoch nötig, dass man Entwicklungen wie die Individualisierung oder den bisherigen Umgang zwischen den Generationen neu überdenkt. Da es oft nicht mehr der Fall ist, dass mehrere Generationen unter einem Dach wohnen, wird es umso wichtiger, dass es in Gemeinden Möglichkeiten gibt, um die unterschiedlichen Altersgruppen in einem positiven Umfeld zusammenzuführen.



Verfasser: Carina Rumpold (presse@gemeindund.gv.at)


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