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Bildungsbericht 2012: Großer Bedarf an Ganztagsbetreuung

16.01.2013
BM Schmied:
©Gemeindebund
Die Ausgaben Österreichs für Bildung steigen und liegen deutlich über dem EU-Durchschnitt. Trotzdem wird das Bildungsniveau weiterhin "vererbt" und die Leseschwäche der Kinder hat sich nicht verbessert.

Bereits zum zweiten Mal präsentierte das Unterrichtsministerium den Bildungsbericht. Alle drei Jahre erscheint diese umfassende Studie zu Österreichs Schulwesen. Für Bildungsministerin Claudia Schmied ist die wichtigste Herausforderung, die sich aus den Ergebnissen der Studie ableitet, die Chancengleichheit zu verbessern: "Es ist unsere soziale Verantwortung, alle mit auf den Weg zu nehmen."

Die Ausgaben des Bundes sind von 2000 bis 2009 um ein Viertel angestiegen. ©Bildungsbericht 2012

Ausgaben 40 Prozent über dem EU-Durchschnitt

Auffallend ist, dass die Ausgaben für Bildung sehr hoch sind, während jedoch die alten Probleme wie Leseschwäche oder fehlende Integration mehrsprachiger Kinder nicht gelöst werden konnten. Die öffentlichen Bildungsausgaben Österreichs pro Kopf sind zwischen 2000 und 2009 um 25 Prozent gestiegen. Am stärksten zugenommen haben die Ausgaben für die Jüngsten durch das verpflichtende Kindergartenjahr (plus 50 Prozent), am wenigsten zusätzliches Geld gab es für Hauptschulen, Neue Mittelschulen (NMS) und AHS-Unterstufe (plus zehn Prozent). Damit liegen die Pro-Kopf-Bildungsausgaben über dem EU-Schnitt. Bei Volksschulen und der Sekundarstufe (Hauptschule, NMS/AHS/Berufsschulen) sind die Ausgaben um jeweils 40 Prozent höher als im EU-Schnitt, im Hochschulbereich um 26 Prozent. Im Bericht werden dafür die relativ kleinen Klassen und die geringe Jahres-Unterrichtsleistung in der Sekundarstufe verantwortlich gemacht.

2017/18 wird der Höhepunkt der Pensionierungswelle erreicht. Bis 2020 soll damit jeder dritte derzeit beschäftigte Lehrer in Pension gehen. ©Bildungsbericht 2012

Bildung wird weiter vererbt

Negativ ist auch, dass trotz der hohen Aufwendungen, Bildung immer noch weitervererbt wird. "Das Einkommen und die Schulbildung der Eltern sind noch immer entscheidend für die Schulbildung der Kinder. Bei Kindern mit Migrationshintergrund wird dies oft noch verstärkt", so die Ministerin. 

Während die Ministerin auf die in den letzten Jahren gesetzten Maßnahmen, wie das verpflichtende Kindergartenjahr oder Deutschförderungen verweist, wird im Bericht die Definition eines "absoluten Bildungsminimums" vorgeschlagen. Schüler, die dieses Minimum nicht erreichen, müssten in weiterer Folge individuell gefördert werden.

In welchem Bundesland gibt es die wenigsten Schüler mit nichtdeutscher Alltagssprache? ©Bildungsbericht 2012

Große regionale Unterschiede

Unterschiede in den Bildungslevel gibt es nicht nur zwischen sozialen Schichten, sondern auch zwischen Stadt und Land. Je größer der Wohnort, umso höher die Wahrscheinlichkeit, nach der Volksschule in eine AHS-Unterstufe überzutreten. In Wien und anderen Städten mit über 100.000 Einwohnern (Graz, Linz, Salzburg, Innsbruck) tritt knapp die Hälfte der Volksschulabsolventen in ein Gymnasium über. In den 20 Gemeinden mit 20.000 bis 100.000 Einwohnern sind es nur noch 39 Prozent, in kleineren Städten und Orten lediglich 25 Prozent. Die Gründe für diese Entscheidungen sehen die Autoren jedoch nicht in den Kompetenzen verortet.

Österreichs Schüler lesen nur mittelmäßig

Viel Kritik hagelt es wieder einmal bei der Lesekompetenz der Schüler. "Der Outcome des österreichischen Schulsystems im Bereich Lesen entspricht nicht den Erwartungen an eine Kultur- und moderne Wirtschaftsnation", heißt es im Bericht. Im internationalen Vergleich liegen Österreichs Schüler bestenfalls im Mittelfeld, besonders im Sekundarbereich deutlich darunter. Als Ausweg schlagen die Experten vor, die lesepsychologische und lesedidaktische Kompetenz der Lehrer zu stärken, damit Schüler mit Leseproblemen frühzeitig identifiziert und unterstützt werden. Zudem müsse auch bereits im Kindergarten mit entsprechenden Förderungsmaßnahmen begonnen werden.

Rund drei Viertel der 17-Jährigen, deren Eltern eine Matura absolviert haben bzw. über 90 Prozent, deren Eltern eine Hochschule abgeschlossen haben, besuchen eine AHS-Oberstufe. ©Bildungsbericht 2012

Lösung: Verschränkte Schulformen ausbauen?

Eine besondere Empfehlung, die auch die Gemeinden im Wesentlichen betrifft, ist die Ausweitung der verschränkten Form der Ganztagsschule. Derzeit dominiert bei den ganztägigen Schulformen die reine Nachmittagsbetreuung. Etwa 1.500 Schulen bieten momentan 105.000 Schülern einen Ganztagsbetreuungsplatz an. Dabei muss zwischen der verschränkten Form mit Unterrichts-, Lern- und Freizeit im Wechsel und der reinen Nachmittagsbetreuung unterschieden werden. Besonders wenige verschränkte Angebote gibt es in Niederösterreich und der Steiermark, die meisten in Wien und Vorarlberg.

Gemeinden mit laufenden Kosten nicht im Regen stehen lassen

In der Bevölkerung und bei den Eltern genießen ganztägige Schulangebote hohe Akzeptanz. Ambivalent sehen Bürgermeister und Lehrer den weiteren Ausbau. In einer 2005/06 durchgeführten Befragung standen 72 Prozent der Bürgermeister von österreichischen Bezirkshauptstädten dem Ausbau schulischer Tagesbetreuung positiv gegenüber. Schwierigkeiten sehen diese nur bei der Finanzierung der flächendeckenden Umsetzung. Die Anschubfinanzierung des Bundes heben die Autoren in diesem Zusammenhang als einen Ansatz für die Unterstützung der Gemeinden positiv hervor, sie weisen aber auch darauf hin, dass die Gemeinden bei den laufenden Kosten allein gelassen werden.

In den AHS gibt es am öftesten eine Nachmittagsbetreuung. ©Bildungsbericht 2012

Bund schreitet bei Ganztags-Angebot voran

Nach Schultypen gestaffelt liegt die beste Versorgung mit ganztägigen Plätzen im AHS-Bereich vor: 84 Prozent der AHS verfügen über ein Ganztagsangebot, am schlechtesten ist die Situation bei den Polytechnischen Schulen mit vier Prozent. Hauptschulen (13 Prozent) und Volksschulen (25 Prozent) liegen im Mittelfeld. Eine mögliche Ursache vermuten die Autoren des Beitrags in der Zuständigkeit für die Finanzierung.

Expertenkommission soll bis März Maßnahmenkatalog vorlegen

Um die richtigen politischen Lehren aus den Ergebnissen zu ziehen, soll eine Expertengruppe bis März ein umfangreiches Konzept vorlegen. Ministerin Schmied plädiert auch dafür, das Thema Schule aus dem Wahlkampf herauszulassen, "dafür ist es viel zu wichtig". Das Augenmerk solle künftig vor allem auf die Aus- und Fortbildung der Lehrer und der Sprachförderung gelegt werden.


Verfasser: Carina Rumpold

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