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Gemeinden wecken politisches Interesse bei Jugend

17.01.2013
Für die Jugendstudie wurden über 2.000 Jugendliche befragt.
@lusi.sxc.hu
Die Wohnortgemeinden haben große Verantwortung, wenn es um die Jugendarbeit geht. Wird diese vorbildlich gemacht, so hat dies wesentlichen Einfluss auf die spätere Beteiligung in Vereinen und auf das politische Interesse.

Die Jugend ist die Zukunft Österreichs. Das Land Niederösterreich hat eine umfassende Studie zum Leben und den Zukunftsbildern der niederösterreichischen Jugend ausarbeiten lassen. Dabei kommen alt bekannte Muster zu Tage, aber auch einige Veränderungen - und vor allem zeigt sich wieder einmal deutlich, welch wichtige Rolle Gemeinden bei der Sozialisation spielen.

Die Bereitschaft, später am Gemeindegeschehen mitzuwirken, korrespondiert mit der Einbindung in der Jugend.

Eltern und Gemeinde sind wesentliche Faktoren, die Jugendliche positiver in die Zukunft blicken lassen. Wer als Kind nicht Mitleid oder Einfühlung erfahren und erlernt hat, wird es als Jugendlicher nur schwer nachlernen können. Dieser Grundsatz kann auf die Gemeinden umgelegt werden. Die Daten zeigen eindeutig: Werden Jugendliche nicht in das Gemeindegeschehen eingebunden, sind sie später weniger bereit, in einem Verein mitzuarbeiten oder einer politischen Partei zu vertrauen.

Jugendliche halten sich großteils an traditionelle Leitbilder

Grundsätzlich entsprechen die Wünsche der Jugendlichen an die Zukunft bürgerlichen Leitbildern. An vorderster Stelle wünschen sie sich ein Haus mit Grund, berufliche Leitung, eine Familie mit Kindern und eine Partnerschaft, die bis ins hohe Alter hält. Von allen Jugendlichen wird zu mehr als der Hälfte das eigene Haus als Wohnwunsch angegeben. Selbst Schüler aus Höheren Schulen, von denen man eine stärkere städtische Affinität erwarten könnte, lehnen sowohl die Mietwohnung als auch die Eigentumswohnung in städtische Atmosphäre mehrheitlich ab.

Ambivalent ist das Bild, wenn man die Jugendlichen nach dem Bemühen der Gemeinden fragt.

Starke Veränderungen bei Partnerschaften

So traditionell sich die Wünsche der Jugendlichen beim Thema Wohnen gestalten, beim Thema "Partnerschaft" ist in den letzten zehn Jahren ein interessanter Wandel eingetreten. Die Mehrheit, 72  Prozent der Burschen und 80 Prozent der Mädchen möchten eine Partnerschaft, die bis ins Alter hält. Bei den Vorstellungen, wie diese gestaltet sein soll, hat sich jedoch einiges modernisiert. 70 Prozent der Mädchen und 48 Prozent der Jungen bevorzugen eine gleichberechtigte Partnerschaft, in der beide Partner berufstätig sind und sich die Arbeiten in der Familie und im Haushalt aufteilen. Das traditionelle Modell bevorzugen hingegen nur mehr 16 Prozent der Männer und fünf Prozent der Frauen. Bei Mädchen aus Migrantenfamilien wird das traditionelle Modell als attraktiver bewertet.

Relevanz der kommunalen Jugendarbeit

Jene Jugendlichen, die finden, dass sich ihre Gemeinde sehr um die Jugendlichen kümmert, und die auch selbst am kommunalen Geschehen teilnehmen, sind in einem höheren Ausmaß zur späteren Mitwirkung bereit. Besonders ausgeprägt ist das Mitwirkungsinteresse bei Schülern der HTL, der landwirtschaftlichen Schulen und bei Lehrlingen. Im Umkehrschluss bedeutet das jedoch, dass, wenn die Gemeinde es nicht schafft, die Jugendlichen ins Geschehen einzubinden, wird es später auch Probleme beim Nachwuchs im Freiwilligenwesen und im Ehrenamt geben.

Die Gemeinde kann auf vielfältige Weise die Jugendlichen einbinden.

Viele erfolgreiche Möglichkeiten der Einbindung der Jugend

Tendenziell fühlen sich jedoch Burschen eher von den Angeboten in der Gemeinde angesprochen als Mädchen. Dabei gibt es viele Möglichkeiten, die Jugendlichen für die Gemeinde zu begeistern. Die Vereinsteilnahme ist ein erfolgreiches Instrument der Gemeinde, um Jugendliche ins Gemeinwesen zu integrieren, aber nicht die einzige. 60 Prozent bewerten auch das zur Verfügung stellen von Räumlichkeiten für Jugendliche als sehr positiv. Ebenso wird es positiv gesehen, wenn die Gemeinde Fahrten zu Kultur-, Sport- oder sonstigen Veranstaltungen organisiert. Am viert-erfolgreichsten sehen die Jugendlichen, wenn Gemeindefunktionäre einen guten Kontakt zu Schülern pflegen oder wenn ein Jugendreferent auf die Schüler zugeht.

Wandel bei Freizeitangeboten

Bei der Freizeitangeboten zeichnet sich auch ein Wandel ab: Grundsätzlich suchen die Jugendlicher stärker nach fertig konsumierbaren Angeboten, wie Einkaufstempel, die Vereinsteilnahme oder das Bekenntnis dazu nimmt eher ab. Beim Sport konnten die Gemeinden die grundsätzlichen Wünsche nach Sportstätten und Fußballplätzen weitgehend befriedigen. Die Wünsche werden dafür spezieller (Reitschule, Kletterhalle, etc.). Alles in allem wird das Angebot an Freizeiteinrichtungen in der Wohngemeinde bzw. in der Region heute wesentliche positiver beurteilt, als zu Beginn der achtziger Jahre. Die Angebote werden erwartungsgemäß in großen Gemeinden (über 10.000 Einwohnern) positiver beurteilt als in kleineren, trotzdem beträgt auch hier die Unzufriedenheit 40 Prozent (in kleinen Gemeinden unter 2.000 Einwohnern 50 Prozent). Grundsätzlich kommt es bei der Zufriedenheit jedoch auf das aktive Ansprechen und das Einbinden der Jugend in das örtliche Geschehen an. Internet und Facebook stellen keine Konkurrenz zur aktiven kommunalen Teilnahme dar und können als Ergänzung gesehen werden.

Ö3 ist das politische Informationsmedium Nummer 1 unter den Teenagern.

Kommunale Ebene prägend bei Interesse für Politik

Die Bewertung des Interesses an Politik generell ist eine Frage der Erfahrung, die unmittelbar durch die Erlebnisse auf kommunaler Ebene geprägt wird. Auch die Bewertung von Parteien wird unmittelbar aus Erfahrungen mit den Parteien in der eigenen Gemeinden gespeist. Probleme, die Jugendliche beschäftigten sind in erster Linie Klimafragen (Umweltzerstörung stoppen) und Fragen der Gerechtigkeit (Menschen, die fleißig arbeiten, sollen auch gerecht entlohnt werden). Eine Vereinsmitgliedschaft wirkt sich positiv auf die Auseinandersetzung mit Politik aus. Die Jugendlichen beziehen ihre politischen Informationen am öftesten aus den Ö3 Nachrichten oder der Zeit im Bild.

Weitere Punkte, die im Bericht behandelt werden, sind Verhaltensweisen der Jugendlichen im Internet, die Gefährdungspotenziale durch Alkohol und Drogen, die Mobilität und die Einstellungen zum Öffentlichen Verkehr sowie Bildung und Schule in Niederösterreich. Dabei war auffallend, dass jene Einrichtungen, die von Gemeinden erhalten werden - also Kindergarten, Volks- und Hauptschule - von den Jugendlichen am besten beurteilt wurden. Dabei nehmen Schulen immer öfter eine kompensatorische Funktion gegenüber der Familie ein.

Zahlreiche Initiativen, um Jugend besser zu integrieren

Landesrat Mag. Karl Wilfing, der diese Studie präsentiert hat, wies darauf hin, dass das Land Niederösterreich bereits auf sehr weit zurückliegende Bemühungen um die Einbindung der Jugendlichen ins Geschehen zurückblickt: "Die Einbindung der Jugendlichen ist die entscheidende Frage für die Qualität der Demokratie." Er verwies auf die zuletzt getroffenen Maßnahmen, wie die Verankerung der Funktion des Jugendgemeinderates in der Gemeindeordnung. Ab 1. Jänner 2013 ist diese Funktion fix in jeder Gemeinde vorzusehen. Zudem gibt es flächendeckend die sogenannten Jugend-Coaches, die Jugendpartnergemeinden wurden weiter ausgebaut. Bereits jede vierte Gemeinde in Niederösterreich darf sich "Jugendpartnergemeinde" nennen.

Die niederösterreichische Jugendstudie wird alle drei Jahre aktualisiert. Für die aktuelle Studie, die von Institut Dr. Brunmayr erstellt wurde, wurden 2.291 Jugendliche, Schüler und Lehrlinge der 9. bis 13. Schulstufe in Niederösterreich befragt.


Verfasser: Carina Rumpold

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