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Neue Stadtbahn gegen Zersiedelung

19.07.2006
Rund 240.000 Menschen leben in den Vorarlberger Rheintal-Gemeinden - einem Gebiet ohne Zentrum. Ein neues Konzept soll nun diese Zersiedelung stoppen. Federführend dabei ist der Vorarlberger Gemeindeverband.

Das Architektur-Land Vorarlberg kämpft mit der Zersiedelung seiner Landschaft: Vor allem das Rheintal verstädtert immer mehr. Die 29 Gemeinden der Region wachsen zunehmend zur unüberschaubaren Agglomeration zusammen, alte Ortsgrenzen sind oft kaum noch zu erkennen. Diesem Wildwuchs hat man nun den Kampf angesagt. Fachleute, Vertreter des Landes, von Interessengruppen und den Rheintal-Gemeinden haben in mehr als zwei Jahren gemeinsam das Leitbild "Vision Rheintal" erarbeitet, das Ende Juni der Öffentlichkeit vorgestellt wurde.

Gemeinden teilen sich Aufgaben

Die Kernidee: Man will im Rheintal nicht ein einziges Zentrum schaffen, sondern setzt auf "Polyzentrik". Das hat zur Folge, dass nicht mehr jeder alles macht, sondern dass sich die Gemeinden die Aufgaben teilen. Historisch gewachsen, gibt es keinen Zentralort im Rheintal. Die Landesregierung hat ihren Sitz in Bregenz, das Landesgericht befindet sich in Feldkirch und die Fachhochschule steht in Dornbirn. Das Rheintal verzeichnete seit 1960 eine Bevölkerungszunahme um 55 Prozent, aktuell leben hier 240.000 Menschen. Das Gebiet gehört zu den am dichtesten besiedelten Regionen Österreichs und ist von der Struktur her mit dem Wiener Südraum vergleichbar. Bis 2031 soll die Bevölkerung um weitere 13 Prozent wachsen, sagen Prognosen. Da ist planerische Fantasie gefragt.


"An die 50 konkrete Ideen sind aus dem Diskussionsprozess rund um die Entwicklung des Leitbilds hervorgegangen", sagt Projektleiterin Sybilla Zech. An der Umsetzung eines Landesraumplans für Betriebsgebiete werde schon gearbeitet. Auch der Hochwasserschutz für die Gemeinden am Rhein soll verbessert werden.

Erschließung der Region mit einer Stadtbahn

Verkehrstechnisch soll die Region künftig von einer Stadtbahn erschlossen werden. Sogar eine gemeinsame Festwiese ist angedacht. Die Zusammenarbeit über Gemeindegrenzen hinweg ist aber auch eine ökonomische Notwendigkeit. Österreichweit kämpfen die Kommunen mit sinkenden Einnahmen und wachsenden Aufgaben. Da macht es Sinn, Synergien zu nützen. "Nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Vorteile haben wir uns im Zuge der Leitbildentwicklung mit acht weiteren Gemeinden zusammen geschlossen. Wir wickeln nun die Baurechtsverwaltung gemeinsam ab", erläutert die Bürgermeisterin der 1900-Seelen-Gemeinde Weiler, Mechtild Bawart. Als nächstes stehe die Zusammenlegung der gemeindeeigenen Bauhöfe bevor.

"Ende des Kirchturmdenkens"

In Zeiten steigenden Finanzdrucks hat das Kirchturmdenken endgültig ausgedient. Dieser Meinung ist auch der Vorarlberger Gemeindeverbandspräsident und Bürgermeister von Feldkirch, Wilfried Berchtold: "In Zeiten sinkender Einnahmen braucht es kreative Ideen. Beim Prozess der Leitbildentwicklung stand jedoch das Ziel, das Rheintal als einen gemeinsamen Bezugs- und Lebensraum zu begreifen, an erster Stelle." Für Berchtold hat das Leitbild allerdings keinen bindenden Charakter. Die Gemeinden träfen ihre Entscheidungen autonom, sagt er im Gespräch mit der "Presse". Er möchte jedoch, dass "die Vision Rheintal für die Gemeinden zu einem Fahrplan des realen Handeln und Gestalten" wird.

Der Vorarlberger Wirtschafts- und Planungslandesrat Manfred Rein will nun eine Organisationsstruktur schaffen, die Gemeinden bei der Umsetzung der Ideen aus dem Leitbild zur Seite steht.

Dieser Artikel erschien am 18. Juli 2006 in der Tageszeitung "Die Presse". Zum Original dieses Artikels kommen Sie hier.

Die 29 beteiligten Rheintalgemeinden sind:
Altach, Bregenz, Bildstein, Dornbirn, Feldkirch, Fraxern, Fussach, Gaissau, Götzis, Hard, Höchst, Hohenems, Kennelbach, Klaus, Koblach, Lauterach, Lochau, Lustenau, Mäder, Meiningen, Rankweil, Röthis, Schwarzach, Sulz, Übersaxen, Weiler, Wolfurt, Viktorsberg, Zwischenwasser.


Verfasser: Silvia Riedmann (Die Presse) (daniel.kosak@gemeindebund.gv.at)



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