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Schwierigkeiten bei Bürgermeister-Suche

24.07.2006
"Es wird immer schwieriger, geeignete Kandidaten für das Bürgermeisteramt zu finden", schließt Gemeindebund-Präsident Mödlhammer aus den Ergebnissen der Studie zur sozialen Stellung der heimischen Gemeindeoberhäupter.

Hoher zeitlicher Aufwand, schlechte soziale Absicherung und neue Aufgaben Hauptgründe für zu wenige Bewerber

"Den österreichischen Gemeinden fällt es zunehmend schwer, geeignete Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters zu gewinnen“, erklärte heute, Montag, Gemeindebund-Präsident Bgm. Helmut Mödlhammer im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien. „Der hohe zeitliche Aufwand, die schlechte soziale Absicherung und ständig steigende Aufgaben für die Gemeinden sind die Hauptmotive, die viele Menschen dieses Amt nicht mehr anstreben lassen“, so Mödlhammer.

Der Österreichische Gemeindebund hat im Frühjahr den prominenten Arbeits- und Sozialrechtler Univ. Prof. Dr. Wolfgang Mazal mit der Erstellung einer Studie „Die soziale Situation von Österreichs Bürgermeistern“ beauftragt. Quantitative Basis der Studie war die Befragung von mehr als 900 heimischen Bürgermeister/innen, die in einem sieben Seiten langen Fragebogen ihre soziale Situation offen legten.

Wenige geeignete Nachfolger

„Immer häufiger finden Bürgermeister keine geeigneten Nachfolger, noch öfter gibt es bei Gemeinde-Wahlen überhaupt nur noch einen Kandidaten“, berichtet Mödlhammer. Im Bundesland Salzburg hätten bei der letzten Wahl beispielsweise 20 % der Bürgermeister-Kandidaten gar keinen Konkurrenten bei der Wahl gehabt.


Die Ursachen dafür sind vielfältig. „Im Schnitt wendet ein Bürgermeister rund 32 Wochenstunden für sein Amt auf“, so der Gemeindebund-Präsident. „Das ist aber nur das Bürgermeisteramt, 85 % der Bürgermeister üben daneben einen vollen 40-Stunden-Job aus und kommen somit auf eine Wochenarbeitszeit von 70 Stunden und mehr.“

Schlechte sozialrechtliche Absicherung

Ein weiterer Grund für die geringe Begeisterung dieses Amt anzustreben liegt in der mangelnden sozialrechtlichen Absicherung der Gemeinde-Chefs. „Aus der Bürgermeister-Tätigkeit allein gibt es keinen Pensionsanspruch, keine Arbeitslosenversicherung, kein Minimalmaß an sozialen Rechten, wie sie ansonsten jeder Arbeitnehmer genießt“, kritisiert Mödlhammer. Dies sei für viele ein gewaltiges Hemmnis, vor allem deshalb, weil die meisten Kandidaten ja auch eine Familie zu ernähren hätten.

Bürgermeister stehen unter enormem Druck

Die ständig steigenden Aufgaben einer Gemeinde belasten zudem hauptsächlich die Gemeinde-Oberhäupter. „Der Bürgermeister ist vom obersten Repräsentanten seiner Gemeinde zum Manager, Beichtvater, Psychologen, Behördenleiter und „Mädchen für Alles“ geworden“, so Mödlhammer. „Das Anforderungsprofil hat sich in den letzten 20 Jahren massiv verändert, die sozialen Rahmenbedingungen haben sich aber nicht mitverändert.“

Immer mehr Gemeinde-Chefs klagen über brutalen psychischen Stress, der aus diesen Belastungen resultiert. „Das führt auch dazu, dass wir aus Mangel an Bewerbern extrem viele Methusalems unter den Bürgermeistern haben, die seit vielen Jahren dieses Amt ausüben, selbst aber zum Teil schon weit über 70 Jahre alt sind“, so Mödlhammer. 

Aufgaben neu definieren

Mödlhammer und Studienautor Mazal forderten daher, auf Basis der Studienergebnisse, eine neue Festschreibung der Aufgaben der Kommunalpolitik. „Man muss darüber nachdenken, welche Aufgaben die Gemeinden in Zukunft tatsächlich übernehmen sollen und wer die Erfüllung dieser Aufgaben dann zu verantworten hat“, so der Gemeindebund-Präsident. „Wenn man sich dafür entscheidet, dass dies der Bürgermeister sein soll, dann muss man auch die dafür notwendigen sozialen Rahmenbedingungen schaffen.“

Vorschläge innerhalb des nächsten Jahres

Mödlhammer will nun, dass Experten – wie eben Prof. Mazal – aus dem Österreich-Konvent das neue Anforderungsprofil für Bürgermeister erstellen und danach geeignete Vorschläge zur Beseitigung der bestehenden Nachteile machen. „Ergebnis könnte ein verbessertes Anreizsystem für heimische Kommunalpolitiker sein“, so Mödlhammer. Diesen Nachdenk- und Diskussionsprozess will Mödlhammer aus sämtlichen Wahlkämpfen heraushalten, ein guter Zeitraum, so der Präsident, wäre, „dass wir innerhalb des nächsten Jahres konkrete Vorschläge auf dem Tisch liegen haben“.

Das unerfreuliche Alternativ-Szenario wäre, „dass wir in Zukunft nur noch Bürgermeister haben werden, die sich ihr Amt beruflich und finanziell leisten können, weil sie selbstständig oder vermögend sind“, so Mödlhammer abschließend.

Hier gehts zu den Details der Studie
Grafiken zur sozialen Situation der Bürgermeister (österreichweit)
Grafiken zur sozialen Situation der Bürgermeister (nach Bundesländern)
zur vollständigen Presseunterlage (PDF)

Die gesamte Studie als Download


Verfasser: Daniel Kosak (daniel.kosak@gemeindebund.gv.at)



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