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Bürgermeisterinnentreffen: "Wir sind eine seltene Spezies"

19.08.2013
Gemeindebund-Präsident Mödlhammer ist es ein Anliegen die Bürgermeisterinnen zu unterstützen. Hier mit Sonya Feinig, Gemeinde Feistritz im Rosental, und Gastgeberin Christine Ploner, Gemeinde Dellach im Gailtal.

Wenn Parteigeplänkel in den Hintergrund tritt und der Erfahrungsaustausch in den Mittelpunkt rückt, dann findet das alljährliche Bürgermeisterinnentreffen statt. Von 128 Bürgermeisterinnen machten sich 27 auf den Weg nach Dellach im Gailtal, wo dieses Mal Bürgermeisterin Christine Ploner Gastgeberin war.

Bürgermeisterin sein ist nicht immer leicht. Neben den Vereinbarkeitsschwierigkeiten müssen sich Frauen bei ihrem Einstieg in die kommunale Managementposition mit zahlreichen weiteren Problemen auseinander setzen. Trotzdem standen nicht die Probleme, sondern die Freude am Amt im Zentrum des Bürgermeisterinnentreffens im schönen Dellach im Gailtal. Gastgeberin war von 11. bis 14. August 2013 Bürgermeisterin Christine Ploner.

27 der 128 Ortschefinnen folgten dem Ruf nach Kärnten. Neben dem Netzwerken nutzten die Kommunalpolitikerinnen bei zahlreichen Ausflügen die Gelegenheit, über den eigenen Tellerrand zu blicken und zu sehen, wie Herausforderungen in anderen Gemeinden gelöst werden. 

Der Austausch über Bundesländer- und Parteigrenzen ist den Ortschefinnen wichtig: Sonja Ottenbacher, Stuhlfelden (S), und Maria Zwölfer aus Lermoos (T).

"Willkommen im schönsten Bezirk Österreichs"

Empfangen wurden die Damen am Abend des 11. August im GeoPark-Zentrum. Zwischen Ausstellungsräumlichkeiten, Gemeindeamt und Veranstaltungssaal ließen es sich Kärntens Gemeindebund-Präsident Ferdinand Vouk, Hermagors Bezirkshauptmann Heinz Pansi und Bürgermeisterin Ploner nicht nehmen, die Gäste aus Nah und Fern aufs herzlichste willkommen zu heißen. Vouk, der selbst Bürgermeister der Gemeinde Velden ist, betonte: "Frauen sind in der Politik unverzichtbar geworden. Wir brauchen unbedingt mehr Frauen in der Kommunalpolitik." Pansi wies darauf hin, dass die Steigerung der Zahl der Bürgermeisterinnen nur mehr der nächste Schritt sei: "Bereits jetzt haben wir mehr Frauen als Männer, die einen Universitätsabschluss schaffen", und mit einem Schmunzeln fuhr er fort, "umso mehr freut es mich, Österreichs Bürgermeisterinnen im schönsten Bezirk Österreichs zu begrüßen."

Dellach ist nicht nur dafür bekannt, eine der kärntenweit drei Bürgermeisterinnen zu haben, sondern zeichnet sich auch durch eine einzigartige Geologie aus. Bis heute lassen sich in der Umgebung Reste des vor Jahrtausenden existierenden Meeres finden. Im Anschluss an die feierliche Eröffnung, bei der natürlich auch die Blasmusikkapelle Dellach nicht fehlen durfte, besuchten die kommunalen Spitzenpolitikerinnen das Besucherzentrum des GeoParks in Dellach.

Aus allen Teilen Österreichs (bis auf das Burgenland) waren Bürgermeisterinnen angereist.

Die Region im Vorbeifahren kennenlernen

Am zweiten Tag konnten die 27 Bürgermeisterinnen und ihre Begleiter die kommunale Struktur in den umliegenden Gemeinden genauer unter die Lupe nehmen. Mit dem Bus ging es vom Gail- ins Lesachtal, wo Bürgermeister Franz Guggenberger zustieg und während der Fahrt alles über die Struktur und die Besonderheiten der im Zuge der Gemeindestrukturreform 1973 zusammengelegten 1.500-Einwohner-Gemeinde erklärte. Nach einem Zwischenstopp in der bekannten Basilica minor "Maria Luggau", wo auch der neu angelegte Kräutergarten bewundert werden konnte, ging es weiter zum kurzen Plausch mit Kärntens VP-Chef und Lesachtaler Hotelier Gabriel Obernosterer.

Beim kurzen Mittagsstopp im kürzlich eröffneten "Holunderhof" in Gaimberg tauschten sich die Ortschefinnen mit der jungen Bezirkshauptfrau Olga Reisner und Tourismusverbandschef Franz Theurl über die erfolgreiche Entwicklung der Sonnenregion aus. Danach wurden die 27 Teilnehmerinnen vom ebenso gewitzten wie schauspielerisch begabten Stadtführer von Lienz bei einer kurzen Stadtbesichtigung empfangen. Dabei fazinierte die Ortschefinnen nicht nur die einzigartige Architektur der Sonnenstadt, sondern auch die lebendig dargebrachte Geschichte, die bis auf die Römer zurück reicht.

Nicht nur im GeoPark-Besucherzentrum, sondern auch draußen in der Natur konnten sich die Teilnehmerinnen von den geologischen Besonderheiten überzeugen. Bei der kurzen Wanderung durch das Gebiet der versteinerten Bäume in Laas, die einige der Ortschefinnen sogar in hohen Sandalen bewältigen konnten, beeindruckte nicht nur die atemberaubende Landschaft, sondern auch die Vielfalt der geologischen Wunder aus vergangenen Zeiten. 

Sachthemenorientierte Politik ist den Politikerinnen wichtiger als Parteipolitik.

Freude am Bürgermeisteramt

Beim Workshop zurück im Gemeindezentrum in Dellach besuchte auch Gemeindebund-Präsident Helmut Mödlhammer die Damen-Runde. Die Schülerinnen der HLW Hermagor präsentierten eine Umfrage zum Thema Frauen in der Politik. Dabei kam heraus, dass Frauen nicht immer Frauen in ihrem politischen Werdegang unterstützen. Trotzdem bleibt Hoffnung: Umso jünger die Frauen, umso eher wählen sie auch ihre Geschlechtsgenossinnen.

Beim anschließenden Statement Mödlhammers wurde einmal mehr deutlich, was es heißt, Bürgermeister/in zu sein. Mödlhammer: "Dieses Amt dreht sich nicht immer nur um Problembewältigung. Es freut mich, dass ich in dieser Runde spüre, wieviel Freude dieses Amt machen kann. Diese Freude macht oft den Unterschied zwischen Frauen und Männern aus." Was braucht ein/e Bürgermeister/in aus Sicht des Gemeindebund-Präsidenten? Die Liebe zum Menschen, Hingabe, Hausverstand, Haltung und Haftung (Geradestehen).

Blitz und Sonnenschein am Weissensee

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf brach die Gruppe am nächsten Tag zum Weissensee auf. Bei strahlendem Wetter erfuhren die Teilnehmerinnen, wie es die Gemeinde schafft, die Autos weitgehend aus dem Ort draußen zu halten und trotzdem mehr als 110.000 Tagesgäste, sowie 440.000 Nächtigungen im Jahr zu bewältigen. Das Zauberwort heißt "sanfter" Tourismus und wurde selten so durchgehend umgesetzt wie in der 800-Einwohner-Gemeinde. Mittels eines im Halbstundentakt fahrenden Shuttlebusses gelangt der Besucher zu allen Orten rund um den Weissensee - so auch die Bürgermeisterinnen, die noch dazu die seltene Ehre hatten, auf einem Floß die Aussicht auf den See zu genießen. Zum Konzept des sanften Tourismus gehört zudem ein umfassender Schutz des Gewässers und der Umwelt. Da die Besucher selbst diese unbeschadete Natur gefordert haben, zieht auch die Wirtschaft seit Jahren gemeinsam mit der Politik an einem Strang.

Zwischen Bürgernähe und Leibeigentum

Rechtzeitig lenkte ein Gewitter die Damen in Richtung des Veranstaltungssaales der Gemeinde, wo die Workshop-Organisatoren von "aufzeichnen&Mitanond" bereits warteten. Dieses Mal ging es daran, die drängendsten Probleme zu diskutieren und Lösungen zu erarbeiten. Wie schafft man die Gratwanderung zwischen Bürgernähe und Leibeigentum? Wie geht man mit Kränkungen und Anschuldigungen richtig um? Auch der Umgang mit den Medien, das richtige Zeitmanagement, die Bildungsarbeit in der Gemeinde für die Mandatare, sowie die oftmalige Vermischung von Parteiinteressen mit Sachthemen wurden von den Bürgermeisterinnen thematisiert und in gemeinschaftlichem Erfahrungsaustausch bearbeitet.

Eines kristallisierte sich klar heraus: Frauen schätzen sachorientierte Arbeit. Sie übernehmen gerne die Verantwortung und legen Wert auf Verlässlichkeit. Einfache Regeln, wie die bindende Einteilung der Zeit für die Erholung, darauf zu achten, auch mal als Privatperson unterwegs sein zu "dürfen" und klare Vereinbarungen mit den Mitarbeitern und den Mandataren sind wesentliche Erfolgsfaktoren, um im Bürgermeisteramt dauerhaft bestehen zu können, ohne sich selbst und die eigenen Regenerationsbedürfnisse zu sehr zu "vergessen".

Mit Rat und Tat stand auch die zweite Landeshauptmann-Stellvertreterin Kärntens, Beate Prettner, zur Seite. "Es ist schön, dass so viele Bürgermeisterinnen da sind, die die Probleme mit uns diskutieren können. Für uns Frauen ist Politik kein schmutziges Geschäft, denn man kann sehr viel bewegen. Ich selbst habe Politik immer so gemacht, dass ich mich jeden Tag in den Spiegel schauen kann", gibt Prettner ihren Kolleginnen auf den Weg.

Kärntnerlied und Bio-Küche

Um die rauchenden Köpfe wieder durchzulüften, lud Christl Ploner gemeinsam mit dem Österreichischen Gemeindebund zum Galadinner. Kärntner Lieder des Männergesangsvereins Dellachs und ein Menü, das von den Gastronomen aus "dem köstlichsten Eck Kärntens" zusammengestellt und zubereitet wurde, sorgten für gute Stimmung. Das sprach sich bis zur Landesspitze herum: Um den Bürgermeisterinnen ihre Wertschätzung auszudrücken kamen auch die erste Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, Landtagsabgeordneter Josef Zoppoth, sowie die Vertreter des Kärntner Gemeindebundes, Landesgeschäftsführer Peter Heymich und Christine Printschler.

Besuch beim Energievorreiter

Allzu lange feiern durften die Damen jedoch nicht, denn bereits um neun Uhr des darauffolgenden Tages ging es weiter nach Kötschach-Mauthen. Die 3.400 Bewohner zählende Gemeinde erreichte 2012 als erste Kärntner Kommune den E5-Olymp. An den zahlreichen Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der Gemeinde sieht man, dass dieses Ziel nur durch den Einsatz der gesamten Bevölkerung erreichbar war. Nach einer kurzen Einführung durch Vizebürgermeister Josef Nußbaumer, zeigte der "hübscheste Amtsleiter Österreichs" Jürgen Themessl den gemeindeeigenen Lerngarten, bei dem Schüler mehr über den Energiewandel und das Stromsparen lernen können. 

Neue Kraft für die Arbeit vor Ort

Nach diesen vier abwechslungsreichen Tagen schöpften die Bürgermeisterinnen durch den Austausch und die dazugewonnen Eindrücke neue Kraft, um in ihren Heimatgemeinden wieder mit vollem Tatendrang ans Werk zu gehen. In den Gesprächen wurde deutlich, dass die Herausforderungen durchaus unterschiedlich sind: Während einige steirische Bürgermeisterinnen Fusionsverhandlungen zu führen haben, haben andere die Auswirkungen des Hochwassers zu bewältigen, sowie große Projekte zu beenden. Auch die Nationalratswahl könnte für so manche Ortschefin noch höhere Aufgaben bereit halten.

Eines hat dieses Treffen wieder einmal gezeigt: Frauen sind dieser Position mehr als gewachsen, sie müssen es sich nur zutrauen.


Verfasser: Carina Rumpold
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