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Weißbach bei Lofer: Alles anders als man denkt

27.08.2013
Ein Amtsleiter, eine teilzeit beschäftigte Sekretärin bilden die schlanke Verwaltung in der 423-Einwohner-Gemeinde.
Bildquelle: weissbach.at
Sind Kleinstgemeinden wirklich ineffiziente Einheiten, in denen nicht "qualitätsvoll" gearbeitet wird? Oder wird gerade hier aufgrund der geringen Ressourcen gespart, wo es geht? Die Redaktion hat die erste vom LRH geprüfte Kleinstgemeinde genauer unter die Lupe genommen.

Bei 423 Einwohnern bietet Weißbach bei Lofer (fast) alles, was sich Bürger wünschen: Einen Kindergarten, eine Volksschule, ein interessantes Freizeitvergnügen durch etliche Vereine, einen Fußballplatz, den Naturpark mitsamt einzigartiger Klamm. Die Bürger quittieren die Bemühungen der Gemeinde nicht zuletzt mit einer stetig positiven Geburtenbilanz und leicht ansteigenden Einwohnerzahlen.

Trotzdem musste die Gemeindevertretung in den vergangenen Tagen viel Kritik einstecken, als das Ergebnis des Prüfberichts des Salzburger Landesrechnungshofs öffentlich wurde. Als erste Kleinstgemeinde wurde sie vom Prüforgan unter die Lupe genommen, weil sie mit rund 4.000 Euro eine relativ hohe pro Kopf Verschuldung aufwies. "Ineffizient" und "geringe Qualität der Arbeit" sind nur einige der Kritikpunkte, die in den Medien zu lesen waren.

'Bürgermeister

Schlanke Verwaltung als einer der Hauptkritikpunkte

Dass gerade die schlanke Verwaltung einen der Hauptkritikpunkte darstellt, verursacht bei Bürgermeister Josef Michael Hohenwarter Kopfschütteln: "Wir hätten sogar eineinhalb Stellen zur Verfügung, aber weil wir sparen, wo es geht, haben wir uns gemeinsam dafür entschieden, dass wir mit einem Amtsleiter das Auslangen finden müssen." Das Aufgabengebiet, das der 31-jährige Josef Hohenwarter zu bewältigen hat, darf zurecht als "umfangreich" bezeichnet werden. Neben seinen Aufgaben in der Verwaltung, im Finanzwesen und der Buchhaltung, dem Tourismus, der Grund- und Gebäudeverwaltung, hat er aus Spargründen die Öffentlichkeitsarbeit für den Naturpark übernommen und bekleidet zahlreiche Funktionen in den Verbänden. Anstatt den Einsatz dieses Mitarbeiters entsprechend zu würdigen, wird die mangelnde Stellvertretung und die Kontrolle bemängelt, kritisiert der Bürgermeister. "Wo gibt es einen Stellvertreter für den Amtsleiter in kleinen Gemeinden? Manchmal kommt es mir schon so vor, als hätten die Prüfer unbedingt Punkte finden wollen, die sie kritisieren könnten." 

Fünf Monate - 200 Fragen

Rund fünf Monate "besuchten" die vier bis fünf Prüfer die Gemeinde. Rund 200 Fragen mussten insgesamt beantwortet werden - und das zusätzlich zur Prüfung durch die Gemeindeaufsicht. Dabei wurde viel bekritelt: Die mangelnde Verrechnung der Tierkörperverwertung an die Landwirte, zu wenige Gemeinderatssitzungen, keine Anwesenheitslisten, geringe Abgänge bei den Kanalgebühren, keine Vergleichsangebote bei Versicherungsleistungen, zu wenige Kooperationen, die mangelnde Bildung von Rücklagen, der nicht erfolgte Verkauf von Gebäuden, die von der Gemeinde nicht mehr genutzt werden und vieles mehr.

"Gerade bei den Gebühren halten wir uns an die vom Land ausgegebenen Richtwerte. Auch für die Schulden haben wir eine ganz klare Erklärung: Die Gemeinde hat in den letzten Jahren in das Kanal- und Wassernetz investiert. Dass eine finanzschwache Gemeinde dafür keine Rücklagen bilden kann, liegt in der Natur der Sache. Mir kommt es fast so vor, als wären wir nun für unsere Sparsamkeit bestraft worden."

Die Anregungen, die man umsetzen kann, sind bereits großteils erfolgt. Der angeregte Verkauf einer leer stehenden Lagerhalle für Bauhofgeräte wird demnächst durchgeführt. "Das haben wir aber auch schon vor der Rechnungshofprüfung vor gehabt", merkt der Ortschef an. Auch die Kilometerabrechnungen werden nun genauer geführt. "Ich habe sowieso nur Fahrten mit der Gemeinde verrechnet, wenn ich für Termine mehr als 300 Kilometer zurücklegen musste." 

Zusammenarbeit wird bereits gelebt

Bezüglich angemerkter Kooperationen zeigt sich der Bürgermeister offen: "Wir arbeiten bereits in sehr vielen Bereichen mit unseren Nachbargemeinden intensiv zusammen. Ich nenne hier nur exemplarisch den Reinhalteverband Pinzgauer Saalachtal, sowie unsere intensive Zusammenarbeit im Tourismus. Der Austausch zwischen den Amtsleitern funktioniert. Er trägt nur keine offizielle Bezeichnung, damit man es gut verkaufen kann. Allerdings macht es für mich keinen Sinn, meine Bürger für einen Meldevorgang, der nur wenige Minuten dauert, ins 18 Kilometer entfernte Unken zu schicken. Auch Bauhofzusammenlegungen tragen bei unserer topografischen Lage nicht zur Effizienzsteigerung bei." Es wird aber auch hier gespart, wo es geht. Seit einigen Jahren beschäftigt man in Weißbach statt einer Vollzeitkraft, zwei Teilzeitkräfte, die je nach Bedarf eingesetzt werden können. Große Maschinen mietet man bei Gebrauch an und spart sich damit die teure Erhaltung. Diese effiziente Arbeitsweise entlockte auch dem Landesrechnungshof leises Lob.

Auch über die geprüften Jahre 2010, 2011 und 2012 hinaus bleibt die Budgetsituation für die Gemeinde spannend, denn nicht nur das Hochwasser, sondern auch Steinschläge und viele Elementarereignisse mehr trafen die Gemeinde 2013 hart. Zusätzlich gilt es für die Zukunft den geplanten Hochwasserschutz zu realisieren, was das Budget weiter strapazieren wird. "Auch das werden wir gemeinsam mit den anderen Gemeinden lösen."

Gemeinschaft und Einsatz werden gelebt

"Wenn wir nicht so einsatzbereite Mitarbeiter hätten, ginge das alles gar nicht. Ich hatte mir erhofft, dass der Landesrechnungshof das entsprechend würdigt. Bei uns wird echt gut gearbeitet", so Hohenwarter etwas zerknirscht. Aber nicht nur die Mitarbeiter setzen sich für die Gemeinde ein: Neben dem Blumenschmuck werden Veranstaltungen freiwillig organisiert, sowie die Wegeerhaltung von der Bevölkerung selbst getragen. Auch die örtliche Kneippanlage wird von zwei Pensionisten den ganzen Sommer über regelmäßig gereinigt. "Gäbe es unseren Ort nicht mehr, gäbe es auch das freiwillige Engagement nicht mehr", ist sich der Bürgermeister sicher.




Verfasser: Carina Rumpold

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