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Bürgermeister-Ehepaar außer Dienst

12.11.2013

(Bild: ZVG)
Ihre Liebe sorgt für Schlagzeilen: Peter und Bettina Mitterer sind Österreichs erstes und einziges Bürgermeisterehepaar. Kommunalnet-Redakteurin Carina Rumpold gewähren die beiden Einblicke in ihr zukünftiges Leben, schildern den Ausstieg aus der Kommunalpolitik und erzählen, wie ihre Liebe entstand.

Zum ersten Mal begegneten sich die beiden bei der Musikanten-Ski-WM in Saalbach im März 2004, wo Peter Mitterer seine beiden frisch gewählten Amtskolleginnen Sonja Ottenbacher (Stuhlfelden) und Bettina, noch mit Nachnamen Dürnberger, einlud. So richtig gefunkt hat es erst ein halbes Jahr später beim Gemeindetag in Linz. Kein einfacher Beginn für eine große Liebe, denn damals war er noch in einer fixen Partnerschaft und sie verheiratet. Noch im Dezember gaben sie ihre Beziehung offiziell bekannt, im Mai 2007 heirateten die beiden auf der niederösterreichischen Rosenburg.

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An ihren letzten Wahlergebnissen kann es nicht liegen, dass Bettina (51 Jahre) und Peter Mitterer (53 Jahre) ihre Bürgermeisterämter in jüngere Hände übergeben haben. Bettina hatte als Bürgermeisterin von Lofer 2009 88 Prozent Zustimmung und ihr Gatte Peter als Oberhaupt der Ski-Gemeinde Saalbach-Hinterglemm stolze 80,6 Prozent. Trotzdem legte Österreichs einziges Bürgermeister-Ehepaar am 14. Oktober 2013 die politischen Ämter zurück. Er nach 24 Jahren, sie nach neun Jahren.

Kommunalnet: Euer Abgang hat großes mediales Interesse in ganz Österreich hervorgerufen. Wielange habt ihr diesen Schritt vorbereitet?

Peter Mitterer: Wir mussten diesen Schritt natürlich lange vorher planen. Seit vorigem Jahr im Sommer wurde bekannt, dass ich nicht mehr kandidiere und meine Frau auch nicht mehr. Das haben wir schon für die eigene Partei machen müssen, damit nicht die Ausrede vorherrscht, dass man ein Jahr vorher keinen geeigneten Kandidaten mehr finden kann. Mit dem Suchen der Nachfolger haben wir aber zwei Jahre vorher begonnen. Bei uns im Ort hat sich das natürlich sofort herumgesprochen, aber der Vorteil war, dass gleich ein Nachfolger bereitgestanden ist. Das ist der Alois Hasenauer, der jetzt bereits auch Bürgermeister ist. Die Frage nach dem "Warum?" ist natürlich immer da. Bei der Begründung eines altersbedingten Rücktritts, schauts bei mir mit 53 dann auch schwierig aus. Bedenkt man die Dienstzeit von 24 Jahren, hat die Altersbegründung doch wieder Sinn, denn wenn man zwei Jahrzehnte in der Gemeindepolitik ist, dann ist eine gewisse Betriebsblindheit nicht abzustreiten. Das muss man ganz ehrlich sagen.

Für ihre Hobbies Wandern und ...(Bild: ZVG)

Wie alt ist der neue Bürgermeister?

Peter Mitterer: Der ist jetzt 30 Jahre alt. Als er sein Amt übernommen hat, hat er knapp seinen 30. Geburtstag gefeiert gehabt. Aber ich habe auch mit 29 angefangen.

Und wie war das in Lofer?

Bettina Mitterer: Ich hab mir gedacht: Wenn, dann müssen wir das Amt gemeinsam zurücklegen, weil wenn dann einer noch bleiben würde, dann wäre das ein bisschen kompliziert geworden. So haben wir das gegenseitige Verständnis gehabt. Weil es immer heißt, dass mehr Frauen in die Politik sollen, aber so einfach ist das nicht. Es gibt natürlich auch noch andere Sachen, die man erledigen sollte. Familie, Beruf, Haushalt, Hobbies, Freunde und so weiter. Da ist das mit Politik leichter gesagt, als getan. Wenn man dann in diesem Amt steht, dann braucht man auch Unterstützung und die habe ich beim Peter natürlich voll und ganz gehabt. Und ich habe einen recht würdigen Vize-Bürgermeister, den ich gefragt habe, wie es aussehen würde, wenn ich früher gehen würde. Für ihn war das kein Problem, das Amt früher zu übernehmen. Das ist natürlich auch beruhigend, wenn man nicht jemanden dazu zwingen muss.

...Oldtimerfahren wird in der Zukunft etwas mehr Zeit sein. (Bild: ZVG)

Und wie alt ist dein Nachfolger?

Bettina Mitterer: 43 Jahre.

Peter Mitterer: Also der ganze Generationensprung ist in Lofer nicht gelungen, aber ein halber. Das ist ja auch schon einmal was.

Wie war das damals, als herausgekommen ist, dass ihr jetzt ein Paar seid?

Peter Mitterer: Ja, da ist es mehr zugegangen als beim Bürgermeisterwechsel.

Bettina Mitterer: Also damals hatte ich sicher die größeren Schwierigkeiten gehabt, als der Peter in Saalbach. Es war für die Opposition ein gefundenes Fressen. Da ist mit Postwurf die Moralkeule geschwungen worden. Ist so eine Bürgermeisterin überhaupt tragbar, wenn sie sich in einen anderen Mann verliebt und ihren Mann verlässt? Also das war wirklich unterste Schublade,  das war nicht angenehm.

Hast du das vorher mit den jeweiligen Familienmitgliedern geklärt?

Bettina Mitterer: Auf alle Fälle, mit den Kindern ist alles vorab geklärt worden. Die Reaktion der Opposition hat mir natürlich schon wehgetan, wenn dann ein Postwurf kommt und auch die Familie angegriffen wird. Unser mittlerweile leider verstorbener Altbürgermeister, der Färbinger Sepp, der zur gleichen Zeit Bürgermeister war, wie der Vater vom Peter, hat uns sehr geholfen. Der war für mich immer ein großes Vorbild und dass er nix gesagt hat, war für mich sehr wichtig. Er hat

Die Familien der beiden freuen sich schon auf mehr gemeinsame Zeit. (Bild: ZVG)

 uns dann auch geholfen, dass die anderen das akzeptiert haben. Bei unserem Schützenfest, bei dem traditionell ganz Lofer ausrückt, hab ich den Peter das erste Mal offiziell mitgenommen. Da haben ihn die Hildegard und der Sepp in die Mitte genommen und da ist er vorne in der ersten Reihe gesessen. Von dem Tag an hat keiner mehr etwas gesagt in Lofer.

Peter Mitterer: Da war das Eis gebrochen.

Bettina Mitterer: Das war erledigt, weil sie gesehen haben, dass der Altbürgermeister unsere Liebe akzeptiert.

'Bettina

Und wie ist das, wenn man mitgeht und nicht selbst als Bürgermeister im Mittelpunkt so einer Veranstaltung steht?

Peter Mitterer: Ganz angenehm. Man hat eigentlich ja keine Funktion. Man ist dabei, bekommt etwas zu Essen, etwas zu Trinken, sitzt mitten drinnen, hat aber keine offizielle Aufgabe.

Bettina Mitterer: Wir haben uns das eigentlich immer ganz gut aufgeteilt, ich bin gern in Saalbach mit ausgerückt, wenn ich Zeit hatte und hab auch das Gefühl gehabt, dass ich überall gern gesehen bin. Und umgekehrt, wenn ich alleine ausgerückt bin, wurde nach dem Peter gefragt.

Wie ist das dann im Alltag? Ihr musstet ja offiziell in euren Gemeinden wohnen bleiben.

Peter Mitterer: Wir sind auch beide in unseren Gemeinden wohnen geblieben. Bettina in Lofer und ich in Saalbach.

Der ganze Stolz der beiden: Die zwei Enkerl. (Bild: ZVG)

Wie viele Kilometer seid ihr da auseinander gewesen?

Peter Mitterer: 47 genau.

Das ist ja nicht so wenig...

Peter Mitterer: Ja, es geht, aber ich hab in Lofer den Zweitwohnsitz gepflogen und die Bettina in Saalbach. Es gibt ja genug, die von uns nach Salzburg in die Arbeit fahren, das muss ja auch gehen. Ist nicht angenehm, aber es geht. Das war, glaub ich, nicht das Problem.

Bettina Mitterer: Wenn man sich gerne hat, dann ist kein Weg zu weit.

Was waren jetzt die Gründe, dass ihr gerade diesen Zeitpunkt für die Rücktritte gewählt habt?

Peter Mitterer: Der Nachfolger tut sich natürlich leichter, wenn er ein halbes Jahr Vorlaufzeit hat. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, er hätte es früher gemacht. Hat er aber nicht. Er war im Sommer noch berufstätig im familiären Betrieb der Eltern. Da übernimmt aber jetzt sein Bruder. Seine Lebensgefährtin hat selbst ein Hotel in Hinterglemm. Da kann er mitarbeiten, muss er aber nicht. Er kann sich relativ viel Zeit freispielen. Dann ist er aber selbst zu der Erkenntnis gekommen, dass es besser ist, vorzeitig das Amt zu übernehmen. Das wissen wir aber selber aus unserem Geschäft. Wenn dann der Bürgermeister dabei ist, dann steht der im Rampenlicht und beim Herrn Gemeindevertreter ists dann schon finster daneben. Jetzt hat er natürlich die Chance, dass er sich selbst verwirklichen kann. Der Herbst ist bei uns eine sehr gute Zeit. Da sind noch viele Bauverhandlungen, Gewerberechtsverhandlungen, Wasserrechtsverhandlungen. Dann hat noch fast jeder Verein seine Hauptversammlung. Da spricht man sehr viele Leute auf direktem Weg an. Dann hat er noch die ganze Weihnachtsaktion, die Seniorenweihnachtsfeier und er kann die Seniorenweihnachtspakete austeilen.

...und für dich persönlich? Was hat es für einen Ausschlag für die Entscheidung gegeben?

Peter Mitterer: Dass mein Nachfolger zugestimmt hat, dass es ihm jetzt doch passt. Dann haben wir gleich am 14. Oktober in der Gemeindevertretung die Übergabe gemacht. Die Bezirkshauptfrau war für die Angelobung auch anwesend. Damit ist dann alles relativ rasch gegangen. Wir haben den Oktober vollgepackt mit Urlauben, damit wir nicht in ein Loch fallen.

Bettina Mitterer: Wir haben auch gesagt, dass wir uns heuer einmal auf die Adventzeit freuen. Endlich können wir die Adventzeit entspannt und locker genießen, weil das haben wir eigentlich bis jetzt nie gehabt. Weil hab ich einmal Zeit gehabt, ist der Peter nicht daheim gewesen und umgekehrt.

Peter Mitterer: Oder wir waren beide nicht daheim.

Bettina Mitterer: Ja das hat es auch mal gegeben eine Woche lang, dass wir uns nur beim Frühstück kurz gesehen haben.

Peter Mitterer: Bei sämtlichen Gasthäusern die Weihnachtsmenüs durchkosten, ersparen wir uns dieses Jahr auch. Nachdem ich kein großer Freund von Süßigkeiten, Keksen und Co bin, ist das auch einmal beendet nach 24 Jahren. Passt mir auch gut. Das war nicht so meins. Das wissen die Einheimischen aber auch.

Bettina Mitterer: Ja, jetzt freuen wir uns, dass wir auch mal genießen können und Zeit haben für einander und auch für die Kinder Zeit haben. Dienstag hab ich Mittags gekocht und da sind die Kinder gekommen und haben gesagt: "Ist das nett, dass Mittag einmal alle gemeinsam essen." Das werden wir jetzt öfter machen. Ich bin ja ein Familienmensch, ich liebe ja unsere drei Dirndln und mittlerweile die Enkelkinder und das ist einfach schön. Ich mag das gern, die Familie zu bekochen und natürlich auch meinen Mann zu verwöhnen.

Welchen Beruf hast du vor deinem Bürgermeisteramt gehabt, Bettina?

Bettina Mitterer: Ich war im Transportunternehmen von meinem Mann tätig und da war ich eigentlich Mädchen für alles, habe auch die Buchhaltung gemacht, Fakturierung.

Also warst du den flexiblen Einsatzbereich gewöhnt und damit bestens vorbereitet für das Bürgermeisteramt?

Bettina Mitterer: Genau und vorher war ich auf der Raiffeisen Bank. Da ist auch der Peter hergekommen. Damit hab ich eigentlich eine ganz eine gute Grundlage gehabt für die Bürgermeisterei. Flexibel und auch nicht so empfindlich zu sein, was die Zeit betrifft.

Peter bleibt Geschäftsführer der Hinterglemmer Bergbahnen. Wie geht es beruflich für dich weiter?

Bettina Mitterer: Momentan werden wir mal, wie gesagt, die Zeit genießen. Wir haben in Saalbach eine kleine Frühstückspension und da werde ich mich ein bisschen einbringen. Beschäftigung brauche ich schon ein bisschen, weil das bin einfach ich. Ich muss mit Leuten zu tun haben, nicht nur den Haushalt, den ich zwar auch gern erledige, aber ich brauche ein bisschen Beschäftigung. Darum werd ich das jetzt einmal machen und schauen, vielleicht ergibt sich noch irgendetwas. Ich bin ja sehr flexibel.

Für so aufgeweckte Menschen ergibt ja meist wieder etwas Neues.

Bettina Mitterer: Ja sicher.

Peter Mitterer: Also ich möchte das nicht so im Raum stehen lassen, dass wir auf Jobsuche sind, das ist nicht der Fall. Uns geht es wirtschaftlich nicht schlecht, das traue ich mir leicht sagen. Die Pension braucht ein bisschen eine Betreuung dazu auf der kaufmännischen Seite, die Dienstleistungsseite ist eh abgedeckt. Aber ich denke auf der Suche bist du wohl nicht, oder?

Bettina Mitterer: Nein, das bin ich eh nicht.

Peter Mitterer: Ich bringe meine Frau mit den Bergbahnen durch. Also es hängt nicht die Spendenannonce beim Artikel dabei.

Wenn ihr zurück blickt auf diese Zeit, worauf seid ihr stolz?

Bettina Mitterer: Ich bin auf einiges stolz und ich glaube, das darf ich auch öffentlich sagen. In Lofer hat sich in den letzten Jahren auch viel entwickelt. Sei es nun bei den Bergbahnen, wo die Gemeinde der größte Gesellschafter ist und immer mitfinanziert hat und wo ich auch gerne im Aufsichtsrat gesessen bin. Wir haben nun zwei Bahnen, das ganze Areal umgestaltet und im Zuge dessen haben wir auch noch einen neuen Bauhof gebraucht, der uns auch wirklich toll gelungen ist. Ein anderer Bereich, bei dem ich auch viel mitgewirkt habe, ist unser neues Seniorenwohnheim. Die Eröffnungsfeier jetzt am 9. November, darf ich noch ausrichten, weil von mir ja viel Herz hineingeflossen ist. Das haben auch meine Bürgermeisterkollegen erkannt. Wir haben da etwas Besonderes geschaffen. Und sonst noch viele kleine Dinge und das Arbeiten mit Leuten. Einfach jemanden zu helfen, wenn es möglich ist. Und wenn ich heute wieder vor der Entscheidung stehen würde, dann würde ich es wieder so machen. Ich war wirklich mit Herz Bürgermeisterin, es hat mir gut gefallen und jetzt bin ich mit Herz Hausfrau, Mutter und Ehefrau.

Peter Mitterer: Das ist nett, dass du mich nicht vergisst. Für mich war eigentlich das Spektakulärste nicht die Baulichkeiten, sondern dass in den 24 Jahren, Saalbach und Hinterglemm zusammengefunden haben. Als ich Bürgermeister geworden bin, war da eine strenge Trennung zwischen diesen beiden Orten. Es war kein Grenzwall, aber es war immer wichtig, wer woher gekommen ist, dass das in der Gemeindevertretung genau aufgeteilt ist und dass auch sonst überall Parität herrscht.

Und wie hast du es geschafft, dass die beiden Teile zusammengefunden haben?

Peter Mitterer: Das hat sich daraus ergeben, dass die jungen Leute das anders sehen. Dass die ein Miteinander gefunden haben. Wo die Strukturen der Alten verknöchert waren, sind die Jungen offener geworden. Das hat sich am besten daran gezeigt, dass wir versucht haben, eine Hauptschule für beide Teile zu gründen. Da ist der Erstversuch kläglich gescheitert und drei Jahre später ist der Zweitversuch gut gelungen und die Schule in Saalbach ist weggekommen. Jetzt gibt es nur mehr eine in Hinterglemm. Und letztes Jahr haben wir auch einen gemeinsamen Kindergarten in Saalbach durchgebracht. Das waren für mich die größten Errungenschaften, dass dieser gegenseitige Neid weggekommen ist. Für die jungen Leute ist das jetzt viel angenehmer, weil die Hauptschulen zusammengekommen sind. Und so wachsen sie schon im Vorschulalter miteinander auf. Das hat wirklich Vorteile. Das hat sich jetzt auch bei der fraktionsinternen Wahl ganz schön gezeigt, dass nicht mehr im Vordergrund steht, aus welchem der beiden Orte der Bürgermeisterkandidat kommt, sondern was kann er leisten. Und bei mir war das eigentlich auch so. Ich war ja einer der wenigen Saalbacher, der in Hinterglemm die Bergbahnen geführt hat und nach wie vor führt. Auch das ist verträglich mittlerweile, das waren Dinge, die früher sehr schwer zustande gekommen sind. Aber durch meine frühere Tätigkeit in der Raika, konnte man das akzeptieren, dass auch ein "Ausländer" diese Tätigkeit ausführen kann. Mittlerweile sind wir da ein Dorf geworden. Und das passt. Das ist für mich das Schönste eigentlich.




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