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Gemeinden müssen Schulden professionell managen

11.08.2006
Kommunale Sommergespräche (2): Die österreichischen Gemeinden wirtschaften hervorragend, so der Tenor der Wirtschaftsexperten bei den kommunalen Sommergesprächen in Bad Aussee. Sie investieren mehr als Bund und Länder, Verbesserungsbedarf gibt es dennoch.

Ein gutes Zeugnis erhalten Österreichs Gemeinden von Kommunalkredit-Generaldirektor Dr. Reinhard Platzer. „Der Schuldenstand der heimischen Gemeinden ist weitgehend in Ordnung und brauch den Vergleich mit anderen Ländern nicht zu scheuen“, so Platzer in seinem Expertenvortrag vor rund 50 Bürgermeistern. Der Pro-Kopf-Schuldenstand der Gemeinden beträgt im Schnitt rund 1.600 Euro pro Einwohner. „Nachholbedarf haben die Gemeinden dennoch bei den Direktinvestitionen“, so Platzer. „In unseren östlichen Nachbarländern ist diese Investitionsquote zum Teil doppelt so hoch“, berichtet der Finanz-Experte. Das liege zum Teil auch daran, dass in den Ost-Ländern noch erheblich mehr an Infrastruktur aufzubauen sei.

Professionelles Zinsmanagement notwendig

Gut liegen die heimischen Gemeinden bei den Zinsbelastungen für Kredite. „Durchschnittlich haben die Gemeinden einen Zinssatz von 2,69 %“, so Platzer. Dies sei ein Wert, der vor wenigen Jahren noch erheblich höher gewesen war. Extrem wichtig, so Platzer weiter, sei ein professionelles und durchdachtes Schuldenmanagement. „Die Stadt Salzburg hatte vor kurzem noch eine Zinsbelastung von rund 10,6 Mio. Euro, durch die Umstrukturierung des Finanz- und Zinsmanagements ist diese Belastung auf 6, 4 Mio Euro gesunken.“

Volksbankensektor als Nahversorger

Der Chef des Österreichischen Genossenschaftsverband (ÖGV), Prof. Hans Hofinger, kündigte das verstärkte Engagement der Volksbankengruppe im ländlichen Raum an. „Wir werden absichtlich auch in jene Gebiete gehen, in denen die Post und die BAWAG alles zugemacht haben“, so Hofinger. „Wir scheuen uns nicht vor harter Arbeit und gehen nicht nur in Regionen, die ohnehin wirtschaftlich blühen.“ Gerade die Genossenschaft sei ein geeignetes Modell, dass Menschen einen Nahversorger übernehmen und weiterführen können. „Selbstverständlich sind wir auch daran interessiert weitere Filialen der Volksbanken auf genossenschaftlicher Basis in diesen Regionen zu errichten.“

Hofinger fordert „soziale Genossenschaft“

Die Idee der Genossenschaft, so Hofinger weiter, erfahre derzeit eine Rennaissance. „Gerade in Zeiten, in denen große Konzerne vieles dominieren, ist es gescheit und sinnvoll, wenn viele Menschen Anteil an einer Unternehmung haben“, so Hofinger. „Es ist auch schade, dass es nicht gelungen ist, die Genossenschaften nicht nur als erwerbswirtschaftliche, sondern auch als soziale Genossenschaften im Gesetz zu etablieren. Wir hoffen, dass uns das in der nächsten Legislaturperiode gelingt.“ Dies, so Hofinger, wäre beispielsweise im Bereich der Behinderten-Genossenschaften von großer Bedeutung. „Es gibt eine Menge Ideen und auch schon konkrete Projekte, wo Menschen im Sinne der Selbsthilfe und auch der Selbstverwaltung Genossenschaften gründen wollen, die nicht erwerbswirtschaftlich, sondern eben sozial tätig sind.“ Dies, so Hofinger abschließend, wäre eine sinnvolle und erwünschte Weiterentwicklung des Modells der Genossenschaft. Und nicht zuletzt auch ein Ansatz, wie Genossenschaften und Gemeinden sich miteinander besser vernetzen können.


Verfasser: Daniel Kosak (daniel.kosak@gemeindebund.gv.at)



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