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Audit-Gemeinde Grimmenstein: Gemeinsam Visionen verwirklichen

11.02.2014


Ein Haus der Generationen, in dem Kleinkinderbetreuung und betreutes Wohnen für ältere Mitmenschen vereint sind, bildet in Zukunft den Mittelpunkt der familienfreundlichen Gemeinde Grimmenstein. Bei der Finanzierung geht die Markgemeinde kreativ vor.

Gemeinsam leben und wohnen - so lautet das Motto der Grimmensteiner. Mit der Teilnahme der 1.347-Einwohner-Gemeinde am Audit familienfreundlichegemeinde ist der Startschuss gesetzt worden. Im Oktober 2013 hat sie ihr Grundzertifikat erhalten und damit ihre familienfreundlichen Maßnahmen formuliert. Nun befindet sich die niederösterreichische Gemeinde, die im Herzen der Buckligen Welt rund 23 Kilometer von der Bezirkshauptstadt Neunkirchen entfernt liegt, inmitten der dreijährigen Umsetzungsphase.

Insgesamt 14 Maßnahmen sollen dazu beitragen, die Gemeinde fit für die Zukunft zu machen, wie Projektleiter Vizebürgermeister Franz Gausterer verrät: "Grimmenstein hat kaum eine Chance für die Ansiedelung von Betrieben, um als Wirtschaftsstandort zu punkten. Deswegen wollen wir uns verstärkt als gute Wohnsitzgemeinde positionieren. Wir haben uns zuerst einmal angesehen, was wir schon alles haben und mit Stolz festgestellt, dass wir schon sehr viel bieten können, was uns zu einer familienfreundlichen Gemeinde macht. Deswegen wollen wir uns auditieren lassen." Dass sich auch Großprojekte für kleine Gemeinden realisieren lassen, zeigt Grimmenstein mit seinen innovativen Finanzierungsideen auch im Zuge des Audit.

Für die Grimmensteiner Volksschüler gibt es eine schulische Nachmittagsbetreuung. In Zukunft wird es auch eine Kleinkinderbetreuung geben - im Generationenhaus. (Bild:ZVG)

Ein Haus für Generationen

Das Herzstück der Grimmensteiner Beteiligung bildet das Generationenhaus, womit der Marktgemeinde ein Meilenstein in Richtung Familienfreundlichkeit gelungen ist. Im Sommer 2014 soll das Haus mit 27 Wohnungen für Senioren bezugsfertig sein. Besonderen Wert legte man bei der Projektplanung darauf, dass das Generationenhaus mitten im Ortszentrum liegt. "Damit die Ältesten unserer Gemeinde wirklich mitten im Ortszentrum so lange wie möglich ihr selbstbestimmtes Leben führen können", erzählt Gausterer. Ein permanenter Ansprechpartner soll den Bewohnern das Leben in ihrer neuen Heimat zusätzlich erleichtern.

Neben den älteren Menschen sollen aber auch die ganz jungen einen Platz im Grimmensteiner Vorzeigehaus finden. Das "Grimmensteiner Storchennest" soll das Angebot der Gemeinde für die Betreuung der Ein- bis Zweieinhalbjährigen ergänzen. Die Namensgebung konnten dabei die Einwohner selbst in die Hand nehmen. Sie wurden vom Bürgermeister Engelbert Pichler in einer Ausgabe der Gemeindezeitung zu Kreativität aufgerufen.

Ein barrierefreies Haus, in dem es 27 Wohnungen für die Grimmensteiner Senioren geben wird, entsteht inmitten der Ortschaft. Im September 2014 soll das Gebäude fertiggestellt sein. (Bild:ZVG)

Bürger investieren in die eigene Gemeinde

"Ein wesentlicher Aspekt des Generationenhauses ist auch die Finanzierung", so der Projektleiter. Gemeinsam mit der örtlichen Raiffeisenbank wurde mit dem so genannten Generationensparbuch eine innovative Finanzierungsmöglichkeit geschaffen. Unter dem Motto "Unser Geld für unsere Gemeinde" hatten alle Interessierten die Möglichkeit, einen Beitrag zur Realisierung dieses Projektes zu leisten und damit in ein Stück Zukunft für die Gemeinde zu investieren.

Die Kosten für das gesamte Projekt betragen beachtliche 3,8 Millionen Euro - mehr als 500.000 Euro davon konnten über das Sparbuch finanziert werden. "Es handelt sich hierbei um ein Vermögenssparbuch mit spezieller Widmung. Die Spareinlagen werden dabei zweckgebunden für die Finanzierung des Generationenhauses eingesetzt, die Bank verzichtet auf alle Aufschläge. Damit werden zinsengünstige Darlehen an den Bauträger und somit günstigere Mieten für die zukünftigen Bewohner ermöglicht", informiert Gausterer über die innovative Finanzierung. Nach fünf Jahren erhalten die Bürger ihr Kapital mit einer Verzinsung von einem Prozent wieder zurück. "Generationensparen" bedeutet, eine solide Anlageform zu wählen und gleichzeitig in einen guten Zweck zum Wohle der Allgemeinheit im unmittelbaren Wohnumfeld zu investieren.

Der Verein "Unser G'schäft in Hochegg" wurde zur Sicherung der Nahversorgung im Ort geschaffen. (Bild:ZVG)

Zur attraktiven Wohngemeinde aufsteigen

Neben Kindergarten und betreutem Wohnen soll das Generationenhaus im Rahmen des Audit durch einen regelmäßig stattfindenden Tauschmarkt für Kleidung und Säuglingsbedarf und eine Stillgruppe zum Erfahrungsaustausch von Jungfamilien belebt werden. Da man vor allem für Familien attraktiv sein möchte, zählen ein Erste Hilfe Kurs für Säuglinge und Kleinkinder, oder die Schaffung einer Nachhilfeplattform, sowie die Einrichtung einer Nachmittagsbetreuung für Schüler zu den weiteren geplanten Maßnahmen im Zuge des Audit.

Dem gleichen Zweck dient auch der Gemeindewegweiser, der vorhandene familienfreundliche Maßnahmen in der Gemeinde zusammenfasst. Die wichtigsten Anlaufstellen und Ansprechpartner vor Ort, alle Institutionen und Vereine sind in der kompakten Broschüre enthalten. "So haben es Neuzuzügler leichter, Anschluss an die Dorfgemeinschaft zu finden", stellt der Projektleiter Gausterer fest.

Um das Miteinander der Gemeindebürger zu fördern und die Eingewöhnungsphase für Neuzugezogene zu erleichtern, wird bereits seit zwei Jahren ein Dorffrühstück in Grimmenstein angeboten. (Bild: ZVG)

Hindernisse abbauen

"Wir wollen den ganzen Ort barrierefrei gestalten, weil immer mehr ältere Personen in der Gemeinde wohnen", erzählt der Projektleiter Franz Gausterer motiviert. Anfang Jänner 2013 startete in Niederösterreich das Pilotprojekt mit dem Ziel "barrierefreie Gemeinden für Alle". "Im Frühjahr gab es eine Dorfbegehung, bei der evaluiert wurde, welche Barrieren es in der Gemeinde noch gibt. Im nächsten Schritt sollten die Hindernisse dann abgebaut werden", erzählt Vizebürgermeister Franz Gausterer begeistert.

Bei der Sanierung des Grimmensteiner Rathauses wurde unter anderem schon darauf Rücksicht genommen, ebenso konnte der Zugang zur Kirche barrierefrei gestaltet werden. Auch der Schuleingang wurde mittlerweile mit einer Rampe ausgestattet, um Barrierefreiheit zu gewährleisten. Die Realisierung dieser Maßnahmen haben zahlreiche freiwillige Helfer übernommen, worauf der Projektleiter Franz Gausterer stolz ist.

Mehr Miteinander durch das Dorffrühstück

Das vor zwei Jahren eingeführte Dorffrühstück ist ebenso Maßnahme zur Förderung des Miteinanders unter den Gemeindemitgliedern. Die Gemeinde stellt dabei eine gedeckte Tafel mit Getränken am Rathausplatz zur Verfügung und alle Bewohner sind eingeladen, gemeinsam zu frühstücken. Sie bringen ihre Speisen selbst mit und tauschen neben dem Mitgebrachten auch gute Gespräche miteinander aus.

Das Herzstück von Grimmenstein wird in Zukunft das Haus der Generationen bilden, in welchem betreutes Wohnen, eine Kleinkinderbetreuung für unter Zweieinhalbjährige oder Veranstaltungen des Ortes - wie etwa ein Kleidertauschmarkt - stattfinden wird. (Bild:ZVG)

"Unser G'schäft in Hochegg"

Zwar noch nicht im Maßnahmenkatalog verankert, ist das Projekt Sicherung der Nahversorgung in Grimmenstein trotzdem als familienfreundlicher Akt anzusehen. "Im Ortsteil Hochegg sind wir vor dem Problem gestanden, dass der letzte Nahversorger zugesperrt hat", erzählt der Vizebürgermeister. Daraufhin haben sich die Bewohner des Ortes mit den Gemeindeverantwortlichen und einer Handelskette zusammengesetzt, um gemeinsam eine Lösung zu finden. "Ergebnis war, dass ein Verein gegründet wurde, der das Geschäft weiterführt. Am meisten profitieren viele ältere Personen, die nur mehr eingeschränkt mobil sind. Man kann dieses Projekt also durchaus als ein wichtiges Generationenprojekt bezeichnen", berichtet Franz Gausterer.

Auch bei der Erstbestückung des Nahversorgers halfen die Grimmensteiner wieder mit: Projektbefürworter konnten Bausteine zu je 100 Euro erwerben und den Betrieb damit finanziell unterstützen - rund 200 Steine wurden verkauft. "Die ersten Monate des Betriebs haben gezeigt, dass sich die Bewohner hervorragend mit ihrem eigenen Geschäft identifizieren und es nun so aussieht, als wäre die Nahversorgung im Ortsteil Hochegg bis auf weiteres gesichert", freut sich der Vizebürgermeister.

Zu Fuß in den Kindergarten

Auch der Autoschlange vorm Kindergarten, weil viele Eltern ihre Kleinen gerne persönlich in die Betreuungsstätte bringen, möchte man im Zuge des Audit entgegenwirken. Mit dem Projekt "Zu Fuß in den Kindergarten" soll es sich endgültig durchsetzen, dass die jüngsten Grimmensteiner sicher, aber zu Fuß in den Kindergarten kommen. Bereits in der Vergangenheit hat man die Eltern im Rahmen von Elternabenden darauf aufmerksam gemacht, ihre Kleinen zumindest die letzten Meter bis zum Kindergarten zu Fuß statt mit dem Auto zu begleiten. "Gemeinsam mit der Abteilung Gesamtverkehrsangelegenheit des Landes Niederösterreich und der Energie und Umweltagentur (eNu) starten wir das Projekt und hoffen, dass es durch externe Fachleute einfacher möglich ist, eine Bewusstseinsänderung bei der Verkehrsmittelwahl der Eltern herbeizuführen", weist Vizebürgermeister Gausterer auf die Kampagne hin.

Gemeinsam in die Zukunft

Mit der voraussichtlichen Eröffnung des Hauses der Generationen im September 2014 wird ein großer Schritt in die richtige Richtung gemacht. Mit der besonderen Finanzierungsform haben die Gemeindemitglieder ihren Willen, gemeinsam für die Zukunft des Ortes da zu sein, bestätigt. Mit dem Leitsatz der Gemeinde "Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das schaffen viele", wird Geld mit gutem Gewissen sinnvoll angelegt. "Die Bürger investieren so in die Zukunft der Gemeinde", freut sich Franz Gausterer über die enorme Bereitschaft der Gemeindemitglieder.

Haben auch Sie Interesse als Gemeinde an der Auditierung teilzunehmen?

Der Gemeindebund sowie die Familie und Beruf Management GmbH bieten nicht nur persönliche Beratung an, sondern unterstützen Sie auch mit einem vielfältigen Service-Angebot. Der Besuch des kostenlosen Audit-Seminars in Ihrem Bundesland, ist der zweite Schritt, um Ihre Gemeinde familienfreundlich zu machen. Hier erfahren Sie anhand von vielen Good-Practice-Beispielen alles über Vorteile und Ziele, sowie Ablauf und Nutzen des Audit familienfreundlichegemeinde. Auch die Förderungsmöglichkeiten in Ihrem Bundesland kommen dabei nicht zu kurz. Alle Arbeitsunterlagen werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Ein ausgebildeter Prozessbegleiter steht Ihnen ebenfalls im Rahmen von 24 Stunden kostenlos mit Rat und Tat zur Seite. 50 Prozent der Nettokosten für den Gutachter, der den Prozess am Ende beurteilt, werden refundiert.

Für nähere Informationen, wenden Sie sich bitte an die Familie & Beruf Management GmbH (audit(at)familieundberuf.at) oder den Österreichischen Gemeindebund (Mag. Anna Nödl-Ellenbogen, anna.noedl-ellenbogen(at)gemeindebund.gv.at; oder Heike Trammer, heike.trammer(at)gemeindebund.gv.at).

Besuchen Sie die nächsten Audit-Seminare:

  • am 6. März 2014 in St.Pölten
  • am 7. April in Linz



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