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KMU-Überlebenschancen im ländlichen Raum

23.08.2006
Die Umstellung der Förderungen, den Masterplan für Infrastruktur, Management-Schulungen für Bürgermeister und die stärkere Vernetzung der Regionalpolitik, all das fordert Gemeindebund-Präsident Bgm. Helmut Mödlhammer ausgelöst durch die Ergebnisse einer brandaktuellen KMU-Studie.

99,6 Prozent der österreichischen Unternehmen sind der Kategorie der Klein- und Mittelbetriebe zuzuordnen. Zwei Drittel aller heimischen Arbeitsplätze werden von KMU geschaffen, die KMU-Quote in Österreich ist sehr hoch. Die Anzahl der KMU ist in den vergangenen Jahren in Österreich stärker gewachsen als die Gesamtzahl der Unternehmen, wodurch sich naturgemäß auch der Anteil der Beschäftigten in KMU erhöht hat. Den größten Anteil an dieser Steigerung haben die so genannten EPU (Ein-Personen-Unternehmen). Davon gibt es in Österreich mittlerweile 170.000, das sind schon 54 Prozent aller KMU.

Schon eine oberflächliche Betrachtung zeigt, dass sich die Gemeinden in Österreich höchst unterschiedlich entwickeln. Während in der wirtschaftlich dynamischsten Gemeinde Österreichs zwischen den Volkszählungen 1991 und 2001 saldiert rund 1.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden und sich rund 60 Unternehmen angesiedelt haben, verloren andere Gemeinden bis zu 90 Prozent der Arbeitsplätze und 40 Prozent der ansässigen Unternehmen. Damit sind in einigen Gemeinden im ländlichen Raum nahezu die gesamte Wirtschaftsstruktur und ein Großteil der Arbeitsplätze weg gebrochen. Gleichzeitig konnten andere ländliche Gemeinden selbst in Ungunstlagen die Zahl der Arbeitsplätze vervielfachen.

Umfassende Entwicklungskonzepte führen zum Erfolg

Eines der Ergebnisse der Mugler-Studie verstärkt den Trend, der seit einigen Jahren in immer mehr Gemeinden Platz greift. „Nur wenn die Einzelaktivitäten in der Gemeinde in ein umfassendes Entwicklungskonzept eingebettet sind, können die Anstrengungen sowie Ressourcen gebündelt und verstärkende Wechselwirkungen für eine dynamische wirtschaftliche Entwicklung genutzt werden.“

„Diese Feststellung unterstreicht die Notwendigkeit der ganzheitlichen Planung, die in vielen heimischen Gemeinden schon sehr intensiv durchgeführt wird“, so Gemeindebund-Präsident Bgm. Helmut Mödlhammer. „Dazu gehören selbstverständlichen auch die vielen Projekte der interkommunalen Zusammenarbeit, bei der mehrere Gemeinden sich zusammenschließen und gemeinsam Wirtschaftsparks planen, um die Attraktivität der Region für KMU zu erhöhen.“

Zeit des Kirchturmdenkens ist vorbei

„Das Prinzip Kooperation kann gerade in ländlichen Gemeinden aufgrund der tendenziell klein strukturierten lokalen Wirtschaft über Synergieeffekte und Ressourcenpooling zu einer positiven wirtschaftlichen Entwicklung beitragen. Regionsdenken fördert und Kirchturmdenken hemmt die positive Entwicklung der regionalen und damit auch der lokalen Wirtschaft.“

„Das bedeutet“, so der Gemeindebund-Präsident, „dass die Zeiten des Kirchturmdenkens in jeder Gemeinde eigentlich der Vergangenheit angehören müssen. Jeder moderne Bürgermeister muss nicht nur weit über die Grenzen seiner Gemeinde hinausschauen können, er muss in Großprojekte und Entwicklungsstrategien auch seine Bevölkerung einbinden. Nur dann kann die wirtschaftliche Entwicklung einer Gemeinde erfolgreich verlaufen“. Einzelkämpfer mit Einzelprojekten würden schlicht nicht mehr den Anforderungen der heutigen Zeit entsprechen.

Nicht erst beim Eintreten einer Krise reagieren

„Wichtig ist auch“, interpretiert Mödlhammer, „dass eine Gemeinde nicht darauf wartet, bis eine Krise eintritt, sondern schon bei den ersten Anzeichen sofort eine Reaktion setzen kann. Dies erfordert vorausschauendes Denken und eine gute Vernetzung mit der lokalen Wirtschaft. Zu dem Zeitpunkt, wenn die Steuereinnahmen der Gemeinde gesunken sind oder schon eine massive Abwanderung von Arbeitsplätzen feststellbar ist, ist es zum handeln oft schon zu spät.“

Regionale Schätze heben

Im Zuge der Landeskonferenzen des Gemeindebundes erhob Mödlhammer auch immer wieder die Forderung: „Die Gemeinden müssen ihre regionalen Schätze heben und vermarkten“. Dieser Denkansatz wird auch von den Autoren der Studie unterstützt: „Mit dem Konzept der regionalen Identität steht der Gemeinde im ländlichen Raum eine Möglichkeit zur Verfügung, sich und die Leistungen der ansässigen Betriebe zu differenzieren und eine klare Marktpositionierung zu erreichen. Ein für ländliche Gemeinden gangbarer Weg, Wettbewerbsvorteile aufzubauen, ist die Anreicherung der dominanten Produkte beziehungsweise Leistungen der ansässigen Betriebe mit regionaler Identität und die Integration komplementärer Produkte sowie der lokalen Lebenswelt zu einem Gesamterlebnis für den Kunden.

Erfolgreiche Gemeinden brauchen engagierte Bürgermeister

Wie eng die positive Entwicklung einer Gemeinde mit der Person und dem Engagement der Bürgermeister/innen verbunden ist, zeigt eine weitere These aus der vorliegenden Studie: „Die Persönlichkeit und das Verhalten des Bürgermeisters ist für  eine positive wirtschaftliche Entwicklung in ländlichen Gemeinden erfolgskritisch. Gemeinden mit guten Voraussetzungen können am eigenen Bürgermeister scheitern. Gleichzeitig können Bürgermeister Gemeinden aus denkbar schlechten Situationen heraus zu einer dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung führen. Dies gelingt besonders dann, wenn durch eine geschickte Entwicklungsstrategie bisher als ungünstig wahrgenommene Gemeindecharakteristika in den Köpfen der Bevölkerung und Unternehmerschaft in wichtige Ressourcen umgewandelt werden können


1. Der Masterplan für Infrastruktur im ländlichen Raum ist schnellstmöglich zu erstellen und umzusetzen. Die Studie zeigt deutlich, dass sowohl die harten als auch die weichen Infrastrukturfaktoren eine erhebliche Rolle im Standort-Wettbewerb spielen. Der Masterplan soll zuerst den Ist-Zustand der Infrastruktur im ländlichen Raum erheben und danach einen Soll-Zustand definieren, der sich auch, aber nicht nur an wirtschaftlichen Kriterien orientiert.

2. Die Wohnbauförderung soll zunehmend als strategisches Steuerungselement angewandt werden. Am Beispiel Niederösterreichs zeigt sich, dass die Wohnbauförderung als strategisches Mittel durchaus geeignet ist. Gemeinden mit ernsthaften Bevölkerungsrückgängen werden bevorzugt behandelt, günstiger Wohnraum zieht zwangsläufig auch Betriebe und Unternehmer an.

3. Bessere Vernetzung der regionalpolitisch arbeitenden Institutionen. In allen Bundesländern und Regionen sind regionale Verbände und Einrichtungen aktiv. Deren Vernetzung unter einander ist noch stark verbesserungsfähig. Sinnvoll wäre die Einrichtung einer Servicestelle für Betriebsgründungen, an die sich sowohl Gemeinden als auch KMU wenden können und die Kontakte herstellt und aktiviert. Oft wissen KMU nicht, an wen sie sich bei der Auswahl ihres Standortes wenden können. Eine solche Servicestelle könnte Profile von Regionen erstellen, die darstellen für welche Art von KMU diese Region die besten Voraussetzungen bietet.

4. Managementqualitäten der Bürgermeister schulen. Für den Großteil der Gemeindebediensteten gibt es die Verwaltungsakademien und -schulen, um sich weiterzubilden. Für Bürgermeister ist dieses Angebot noch zu wenig ausgebaut bzw. wird von der Zielgruppe noch nicht in ausreichendem Maß angenommen. Gerade weil die Person des Bürgermeisters im Wettbewerb der Standorte eine immer größere Rolle spielt, sollten seine Management-Fähigkeiten gut ausgebildet und regelmäßig trainiert werden.

5. Umstellung der Förderkulisse für den ländlichen Raum. Gerade für KMU gibt es viele Förderungs- und Unterstützungsmöglichkeiten. In den vergangenen Jahren und Monaten wurden viele Förderpakete geschnürt, die alle die Unterstützung von KMU zum Inhalt hatten. Wichtiger wäre jedoch das Investment in perfekte Rahmenbedingungen. KMU nehmen Direkt-Förderungen zwar gerne an, sie bieten ihnen jedoch keine langfristige Perspektive für einen bestimmten Standort. Investitionen in Infrastruktur und qualifizierte Arbeitskräfte sind dauerhaft erfolgsversprechender.

Die vollständige Presseunterlage finden Sie hier.

Die vollständige Studie können Sie hier in digitaler Form downloaden.


Verfasser: Daniel Kosak (daniel.kosak@gemeindebund.gv.at)


 verfügbare Downloads

Die Presseunterlage zur KMU-Studie




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