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ZPR/ZSR: Ministerium arbeitet auf Hochtouren

01.08.2014
Das Ministerium arbeitet auf Hochdruck an der Fehlerbehebung beim ZPR/ZSR, die Standesbeamten erwarten Chaos.
©Gerd Altmann/pixelio.de
Von der Idee her ist es eine gute Sache, die Ausführung ist leider mangelhaft. So lautet das Resümee vieler Standesbeamten, die sich bereits näher mit dem Zentralen Personenstandsregister beschäftigt haben. Ob der Umsetzungstermin nochmal verschoben wird? Wir haben an oberster Stelle nachgefragt.

Es ist ein reichlich düsteres Bild, das Feldbachs Standesbeamter und Vorsitzender des Fachausschusses des Fachverbandes der Standesbeamten Karlheinz Westermayer da zeichnet. Datenchaos, lange Schlangen vor den Standesämtern, überforderte Mitarbeiter. Die Testphase für das Zentrale Personenstandesregister, kurz ZPR, und das Zentrale Staatsbürgerschaftsregister, kurz ZSR, läuft immer, doch nicht mit außerordentlich großem Erfolg.

Karlheinz Westermayer trug die Resolution des Fachverbands der Standesbeamten bei einer Landesfachtagung Kanzleramtsminister Josef Ostermayer vor. ©fotogreunz.com

Zehn Jahre bis das System wirklich mit korrekten Daten arbeitet

Beide Register hätten bereits mit 1. April bzw. 1. November 2013 Einzug in Österreichs Standesämter halten sollen. Doch weil das System zum damaligen Zeitpunkt noch nicht völlig ausgereift war, wurde der Termin auf 1. November 2014 verschoben. Aber auch nun - drei Monate vor dem offiziellen Start - scheint die Lage nicht viel besser. "Dieses System ist im Vergleich zu unseren derzeit im Einsatz stehenden Systemen viel zu umständlich in der Menüführung und zu kompliziert in der Bedienung. Außerdem gibt es erhebliche Probleme bei der Datenmigration. Insgesamt sind es zwölf verschiedene kommunale Dienstleister, die die Daten nur teilweise in das neue System übertragen haben. Die bereits migrierten Daten sind teils fehlerhaft, unvollständig und im laufenden Testbetrieb nicht in der von den Standesämtern angelieferten Datenqualität ersichtlich", fasst Westermayer zusammen.

Zum Härtefall in der Praxis wird vor allem die Kontrolle der Daten auf Vollständigkeit. "Bereits einfache Vorgänge, wie die Eintragung einer Geburt, die normalerweise drei Minuten dauert, kann sich im neuen System auf eine halbe Stunde ausdehnen. Die von den Bürgern gewohnt schnelle Erledigung der amtlichen Wege wird sich dann ziehen. Bei komplizierteren Sachen, werde ich die Bürger künftig überhaupt heim schicken müssen und die Dokumente nachschicken", skizziert er das Bild, das sich nach dem 1. November 2014 auf vielen Ämtern zeigen wird und er fügt an, "so unausgereift wie das System jetzt noch ist, rechne ich mit Chaos beim Start." Der Fachausschussvorsitzende rechnet damit, dass es zehn Jahre dauern wird, bis alle Daten wieder vollständig und korrekt im neuen System sein werden.

Idee an sich erstrebenswert

Im Gespräch mit Kommunalnet erzählt er aber auch, dass er eigentlich ein Verfechter der Idee, ein zentrales System für ganz Österreich zu haben, der ersten Stunde war: "Ich war viel in den Bezirken draußen, um meine Kolleginnen und Kollegen für diese Idee zu begeistern. Ich habe ihnen gesagt, dass man offen für etwas Neues sein muss. Dass die Idee eine sinnvolle war, dazu stehe ich auch heute noch." Erst im Mai 2013 wurde Westermayer mit der Technik konfrontiert, die sich seither leider nicht wesentlich verbessert hat. "Selbst IT-affine Kollegen sind überfordert. Da werden zweitägige Einschulungen, wie sie nun geplant sind, bei weitem nicht reichen", fürchtet der Standesbeamte. Um wirklich mit dem System vertraut zu werden, müsste diese Schulung schon mindestens eine Woche dauern, so Westermayer.

Standesbeamte fordern "ordentliches Werkzeug"

In einer drei Seiten langen Resolution haben die Standesbeamten ihre Befürchtungen aufgelistet. Darin fordern sie, dass Zusammenführung der Systeme und damit die Einführung des ZPR und ZSR ohne weitere Fristen erst dann über die Bühne geht, wenn das neue System dem Stand der Technik entspricht. Westermayer knapp: "Wir brauchen ein ordentliches Werkzeug. Das Ministerium bemüht sich zwar, aber es funktioniert nicht."

Ministerium: Starttermin 1. November "so weit wie möglich" vorbereitet

Vom Innenministerium erhielt die Redaktion folgende Stellungnahme:

Einleitend darf darauf hingewiesen werden, dass von Beginn des Projekts an Praktiker, also Standesbeamten, Vertreter der Länder, des Städtebundes und des Gemeindebundes sowie des Fachverbandes der Standesbeamten in enger Kooperation mit Vertretern des Bundesministeriums für Inneres alle Funktionalitäten gemeinsam entwickelt haben.
 
An der Fehlerbehebung sowie der Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit und Systemverfügbarkeit wird laufend gearbeitet, um den Start am 1. November 2014 so weit wie möglich vorzubereiten. Tatsächlich sind in letzter Zeit Probleme mit der Verfügbarkeit des Schulungssystems aufgetreten, die sich zum Teil negativ auf laufende Tests und Schulungen ausgewirkt haben. Um einen reibungslosen Ablauf der Schulung zu gewährleisten, werden an bekannt gegebenen Schulungstagen keine Arbeiten am System durchgeführt. Seitens der technisch Verantwortlichen des Innenministeriums wurde ein Expertenteam gebildet, um die Applikation zu optimieren und festzustellen, warum die Laufzeitprobleme auftreten. Erste Verbesserungsmaßnahmen wurden bereits umgesetzt und zeigen positive Wirkung.
 
Zur Datenmigration ist festzuhalten, dass der Umfang und die Qualität der Datenbestände, die in das ZPR und das ZSR übernommen werden, von den bestehenden elektronischen Datenbeständen der Standesämter und Evidenzen abhängen. Wenn Daten nur ungeprüft zur Migration bereit gestellt wurden, können sie auch nur so im System zur Verfügung stehen. Das Bundesministerium hat in zahlreichen Sitzungen mit den IT-Dienstleistern alles dazu beigetragen, die technische Machbarkeit der Migration zu gewährleisten und Aufwand für die Mitarbeiter so gering wie möglich zu halten. An dieser Stelle ist daher bereits allen, die mit unermüdlichem Einsatz an diesem Projekt gearbeitet haben und noch weiter arbeiten, ein besonderer Dank auszusprechen.
 
Natürlich ist auch uns bewusst, dass die Einführung eines neuen Systems für alle mit Schwierigkeiten verbunden ist. Von besonderer Bedeutung ist dabei vor allem, sich auch außerhalb der Schulungsveranstaltungen mit dem System vertraut zu machen. Seit bereits einem Jahr steht es den Standesbeamtinnen und Standesbeamten für diesen Zweck zur Verfügung. Nur wer sich mit dem Neuen vertraut macht, wird es schaffen, Unsicherheiten, die verständlicherweise vorhanden sind, zu überwinden und mit der notwendigen Sicherheit an die Bewältigung dieser Aufgabe heranzugehen. Mit dem Erwerb der erforderlichen Routine und der Überwindung der ersten Anlaufschwierigkeiten wird es gelingen, durch das neue Register sowohl für die Bürger als auch für die Behörden einen echten Mehrwert daraus zu erzielen. 




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