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Ganz Österreich trauert um Liese Prokop

02.01.2007
Besonders groß ist die Trauer um die plötzlich verstorbene Innenministerin Liese Prokop in ihrer Heimatgemeinde Annaberg (NÖ). "Ihr Tod reißt ein tiefes Loch in die Seele unseres Dorfes", heißt es im idyllischen Ort an der "Via Sacra".

Seit Jahrzehnten war die gebürtige Wienerin Liese Prokop in Annaberg ansässig. Oft zog sie sich in die Stille und Ruhe des kleinen Wintersportorts im Mostviertel, am Fuße des Ötschers, zurück, um sich von den politischen Strapazen zu erholen.

In Sichtweite des Gemeindeamtes von Annaberg hatte die Familie Prokop ihr kleines Domizil errichtet. Auch die Gemeindepolitik der 700-Einwohner-Gemeinde wird von ihrer Familie mitgestaltet, ihre Nichte, die 37 Jahre junge Petra Zeh, ist Bürgermeisterin von Annaberg. "Sie war sehr beliebt hier im Dorf", sagt Bürgermeisterin Zeh, sichtlich gezeichnet von diesem schweren Schicksalsschlag. "Ihr Ableben hat alle bei uns in Dorf zutiefst erschüttert, hier war sie ja nicht nur die Frau Innenministerin, sondern in erster Linie 'die Liese'".


Fahnen auf Halbmast

Prokop, so erzählt Zeh, sei immer, wenn es ihre Zeit erlaubt habe, in Annaberg gewesen. Vor allem ihre Urlaube habe sie hier verbracht. In den Sommermonaten wurde die Innenministerin häufig bei Wanderungen rund um den Ort gesehen.

Die Karriere von Liese Prokop: Vom Sport in die Politik

Mit Innenministerin Liese Prokop (ÖVP), die am Silvestertag beim Transport ins Krankenhaus von St. Pölten einem Aorta-Riss erlegen ist, verliert die österreichische Politik eine wichtige Vertreterin.

Prokop begann ihre politische Karriere am 20. November 1969 als Abgeordnete zum niederösterreichischen Landtag. Von 1981 bis 1992 war sie als Landesrätin tätig, ab Oktober 1992 als Landeshauptmann-Stellvertreterin. Die frühere Spitzensportlerin war damit eine der ersten Quereinsteigerinnen in der Politik.

Schlagzeilen im Sport

Zuvor hatte sie ihre sportliche Laufbahn mit dem Gewinn der Silbermedaille im Fünfkampf bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko gekrönt, 1969 stellte die Europameisterin noch den Weltrekord im Fünfkampf auf. In den heimischen Rekordlisten blieb der Name Liese Prokop noch lange nach ihrem Karriereende verewigt. Die Rekordmarke im Kugelstoßen der 50-fachen österreichischen Meisterin, die ihrer damaligen Zeit und Konkurrenz voraus war, wurde erst im Jahr 1999 verbessert, ihr Bestwert im Weitsprung hielt immerhin bis 1998.

Überraschender Wechsel in Bundespolitik

Dass Prokop 2003 im relativ hohen Alter noch in die Bundespolitik wechselte, kam für viele überraschend. Als Innenminister Ernst Strasser ziemlich überstürzt seinen Rückzug aus der Politik ankündigte, wollte Niederösterreichs Landeshauptmann Erwin Pröll eine Vertrauensperson in der Bundesregierung, und da taugte für ihn niemand besser als Prokop, die seine gesamte Karriere begleitet hatte.

Bekennende Großkoalitionärin

Prokop wäre nach eigenen Angaben auch bereit gewesen, ihre Aufgabe in einer Regierung mit der SPÖ weiterzuführen. Dies überraschte insofern wenig, als sie stets als deklarierte Großkoalitionärin galt. Prokop war eine Politikerin des Ausgleichs. Rüde Ausritte seitens der Rechtsparteien waren der Ehefrau von Handball-Zampano Gunnar Prokop und dreifachen Mutter immer ein Gräuel.

Geborene Sykora

Geboren wurde Liese Prokop (Mädchenname Sykora) am 27. März 1941 in Wien. Sie verbrachte ihre Kindheit in Korneuburg und Tulln, wo sie auch maturierte. Anschließend studierte sie an der Universität Wien Leibeserziehung und Biologie. 1962 musste sie nach dem Tod ihres Vaters das Studium abbrechen und arbeitete als Jugendbetreuerin. In dieser Zeit begann auch ihre sportliche Laufbahn, zur der sie ihr späterer Ehemann Gunnar als Trainer animierte. Auch die Familie war stets sportlich. Tochter Karin war Handball-Nationalspielerin, Neffe Thomas Sykora jahrelang eine Größe im Slalomweltcup der Skifahrer.

Liese Prokop starb im Alter von 65 Jahren.


Verfasser: Daniel Kosak (daniel.kosak@gemeindebund.gv.at)


 weiterführende Links

Online-Kondolenzbuch für Liese Prokop auf ORF.at




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