English | Française
SUCHE


STARTSEITELINKSIMPRESSUMKONTAKT
Eisenstadt verhüllt Verkehrsschilder

26.06.2007
Mit einer Aufsehen erregenden Aktion macht die burgenländische Hauptstadt auf sich aufmerksam. Fünf Tage lang werden in Eisenstadt mehr als 400 Verkehrsschilder probeweise in der Innenstadt verhüllt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Eisenstadt wurden am Montag 400 von insgesamt 2.500 Verkehrsschildern verhüllt.

Eisenstadt macht im Kampf gegen den Schilderwald in der Innenstadt Ernst. Experten des ÖAMTC, der Stadt Eisenstadt, und der Polizei werden in dieser Woche den Verkehr beobachten und danach überflüssige Schilder entfernen. Insgesamt gibt es in der Landeshauptstadt rund 2.500 Verkehrsschilder.

"Die Flut an Verkehrsschildern überfordert die Autofahrer. Der Club geht davon aus, dass ein Fünftel aller Verkehrszeichen eingespart werden kann", sagt ÖAMTC-Verkehrspsychologin Dora Donosa. Sie ist überzeugt, dass die Aktion allen Verkehrsteilnehmern etwas bringen wird und die Straßen sicherer macht.

Wo wird was verhüllt?

Die Verhüllungs-Aktion betrifft vor allem die Straßen im Stadtzentrum. Verhüllt werden hauptsächlich "Halten und Parken verboten"-Schilder, bei denen sich die Frage stellt, ob sich das Verbot nicht ohnehin aus der Situation ergibt. "Das ist etwa dann der Fall, wenn sich an einer Hauseinfahrt das Schild 'Ausfahrt freihalten' befindet", sagt Donosa. Oder Schilder, die nicht mehr aktuell sind: Beispielsweise ein Halteverbot vor einem Geschäft, das es gar nicht mehr gibt.

Weniger Verkehrszeichen, mehr Sicherheit

Viele Verkehrszeichen sind doppelt angebracht z.B. links und rechts am Fahrbahnrand. Die doppelte Beschilderung bringt aber oft keinen zusätzlichen Informationsgewinn für die Verkehrsteilnehmer. Die Notwendigkeit dieser Schilder soll ebenfalls geprüft werden. "Die Aufnahmekapazität der Menschen ist begrenzt. Für einen Fahrzeuglenker ist es praktisch unmöglich, mehr als drei Verkehrszeichen gleichzeitig wahrzunehmen und zu verarbeiten", erklärt die ÖAMTC-Expertin. Entbehrlich sind auch viele Zusatztafeln in Verbindung mit Schildern, wo man überprüfen wird, ob die Zusatztafel tatsächlich notwendig ist.

Rein rechtlich ist für das Aufstellen bzw. den Abbau von Schildern der jeweilige Strassenerhalter zuständig, im Fall von Gemeindestrassen kann also auch die Gemeinde die Entfernung überflüssiger Schilder veranlassen.

Unverhüllt sollen in Eisenstadt nur die notwendigsten Verkehrszeichen bleiben: Das sind Stop-Schilder, Vorrang-Tafeln, Einbahnen, verkehrsberuhigte Zonen, Geschwindigkeitsbeschränkungen und Wegweiser.

Für die Stadtbevölkerung wurde eine Informationshotline unter der Nummer 02682/705-702 eingerichtet. Am 2. Juli 2007 sollen die Ergebnisse präsentiert werden.


 

 

 

 

 

Beispiel aus den Niederlanden: Eine Kreuzung vor und nach der Umgestaltung. Befreit von überflüssigen Verkehrsschildern.

Die Schilderstürmer von Friesland

Im Norden der Niederlande, in der kleinen Gemeinde Makkinga, ist man seit fast neun Jahren schon einen Schritt weiter. Davor regelten vier große Ampelanlangen den Verkehr der Durchzugsstrasse. Alle paar Wochen starb jemand unter einem der tausenden Lastwägen, die durch das Dorf brausten. Die Änderungen, die die Gemeinde dann vornahm, waren radikal. Fast alle Verkehrsschilder in diesem Bereich wurden abgebaut, die Ampeln entfernt. Seit dieser Maßnahme gab es in Makkinga an den betroffenen Stellen keine Unfälle mehr. "Wir haben den Menschen die Verantwortung zurückgegeben", sagt Henk Veenstra, Verkehrsplaner der Provinz Friesland. Inzwischen haben 30 weitere Dörfer der Provinz das Modell kopiert, die Unfallzahlen sind um bis zu 90 Prozent gesunken.

Europaweite Beachtung für schilderfreie Gemeinden

In Deutschland - und jetzt auch im burgenländischen Eisenstadt - findet das Modell Beachtung. Die Gemeinde Bohmte (nahe Osnabrück) will als erste deutsche Gemeinde in wenigen Jahren schilderfrei sein. Die Hälfte der daraus entstehenden Kosten trägt die EU. Automobilverbände halten rund ein Drittel der Verkehrsschilder generell für überflüssig. Mit dem EU-Projekt "Shared Space" will man nun diesen erfolgreichen Trend verstärken. Bei diesem Projekt setzt man auf freiwillige Vereinbarungen zwischen den Verkehrsteilnehmern, anstatt auf Schilder.

Eisenstadt erwartet gemischte Reaktionen

Noch gibt es aus Eisenstadt keine Reaktionen oder Ergebnisse zu diesem Versuch. "Am Donnerstag, dem 28. Juni, werden wir eine erste Bilanz ziehen können", erklärt Bezirksinspektor Günter Bauer von der Eisenstädter Polizei. "Wir erwarten aber doch heftige Reaktionen, sowohl positive, als auch negative. Während dieser Woche werden etwaige Vergehen, die durch die verhüllten Schilder entstehen, auch nicht bestraft. Meist geht ohnehin aus der Situation hervor, wo ein Verbot herrscht, die Verkehrsteilnehmer sollten das auch ohne Schilder erkennen."

Der Versuch endet in der burgenländischen Landeshauptstadt am 29. Juni 2007. Offiziell sollen die Ergebnisse am 2. Juli präsentiert werden.


Verfasser: Daniel Kosak (daniel.kosak@gemeindebund.gv.at)


 verfügbare Downloads

Das Konzept von "Shared Space" (26.6.2007; PDF, 825 KB)



 weiterführende Links

Die Schilderstürmer von Friesland (Artikel aus der Berliner Zeitung)
ÖAMTC-Diskussionsforum zum Projekt in Eisenstadt
Die Verkehrsplanung der deutschen Gemeinde Bohmte im Rahmen von "Shared Space"
Homepage des EU-Projektes "Shared Space"




Feedback

Vorname :
Nachname :
Betreff :
Feedback :
*Rückmeldung :

Wünschen Sie eine Rückmeldung, dann geben Sie hier eine E-Mailadresse oder Telefonnummer an.
*Sicherheitsabfrage :


 Wie bewerten Sie diesen Artikel?

 sehr informativ neutral kaum informativ



 | Artikel per Email verschicken


Haben Sie eine Frage zu österreichs Gemeinden?

Schwerpunkte


.