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Vom „Dorfpascha“ zum Manager

20.07.2007
Nach den Ergebnissen einer Bürgermeisterbefragung 2006 stehen Bürgermeister in Österreich unter hoher Belastung und steigendem Druck und  müssen sich dennoch intensiv engagieren.

Die Bürgermeister haben wenig Zeit für ihr Familienleben, riskieren Nachteile in ihrer privaten Karriere, sind sozial unzureichend abgesichert und werden für all das im Vergleich zu anderen öffentlichen Positionen bzw. zur Privatwirtschaft auch noch schlecht bezahlt.

Im Rahmen von Workshops wurden bei den Kommunalen Sommergesprächen 2007 in Bad Aussee die „Generalthemen“ der Veranstaltung von Bürgermeistern, Experten und Wirtschaftsgrößen im Detail erörtert.

Im Workshop „Kommunale Manager/innen gesucht“ sprachen die Teilnehmer aus der Kommunalpolitik über ihr immer größer werdende Belastung. Dennoch bezeichnen die Bürgermeister ihre Arbeit als interessant, der Großteil übt das Amt immer noch gerne aus. Unter den 25 Workshop-Teilnehmern herrschte allerdings die einhellige Meinung, dass das Thema Bezahlung tatsächlich ein trauriges ist – und zwar auch innerhalb der Gehaltspyramide in den Gemeinden. Amtsleiter verdienen bis zu doppelt so viel wie die Bürgermeister, müssen aber nicht dieses hohe Maß an Verantwortung tragen. Erschwerend beim Einkommen wirkt zudem das Bezügebegrenzungsgesetz. Kritisiert wurde von den Teilnehmern das Fehlen entsprechender Unterstützung nach Auslaufen des Mandats – sprich: in arbeitslosen Übergangszeiten -, bei Krankheit und Arbeitsunfällen. 

Aber auch  die Koppelung der Definition von Hauptamtlichkeit versus Nebentätigkeit an die Einwohnerzahl wird kritisiert. Bürgermeister aus Tourismusgemeinden berichten, dass sie die Gästezahlen in Einwohneräquivalente umrechnen, um zu einer anderen Berechnungsgrundlage zu kommen: „Schließlich haben wir auch höhere Infrastrukturaufwendungen.“

„Wie lange finden wir noch Dodeln, die das machen wollen?!“

Hinzu kommt eine Überforderung durch immer neue Zuständigkeiten aufgrund innerstaatlicher Aufgaben-Neuverteilungen. Die Vielzahl von Richtlinien, Gesetzen und Verordnungen macht es den Bürgermeistern zunehmend schwerer, alle Vorgänge im Amt ordnungsgemäß wahrnehmen oder kontrollieren zu können: Juristische Fachkompetenz ist immer stärker gefragt. Insgesamt gestaltet sich deshalb auch die Nachfolgefrage problematisch. Genauso seien die Anforderungen an Amtsleiter – vom „Mitschreiber“ zum operativen Manager – gestiegen, wodurch es immer schwieriger sei, geeignetes Personal zu finden. Amtsleiter „auf Zeit“ waren im Workshop ein umstrittener Lösungsansatz. „Maturaniveau“ wurde als Mindeststandard angesetzt, akademisch gebildetes Personal sei – vor allem in kleinen Gemeinden – kaum leistbar. Und nicht zuletzt fordern auch die Ansprüche der informierteren Bürger ein höheres Maß an Wissen, Kenntnissen und Kompetenzen von den Gemeindefunktionären.


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Workshop-Teilnehmer.

Jobprofil – Was müssen Bürgermeister wirklich selbst machen?

Als vorrangige und unverzichtbare Aufgabenstellung definierten die Workshop-Teilnehmer den direkten, persönlichen Kontakt zur Bevölkerung: zum einen, um daraus Inputs für die Gemeindeentwicklung zu gewinnen und zum anderen, weil die Bürgermeister im ständigen politischen Wettbewerb stehen – schließlich stehen in regelmäßigen Abständen Wahlen auf dem Programm.  Wesentlich ist den Bürgermeistern auch Lobbying – die Arbeit in Verbänden,   Interessensvertretungen, etc. Bürgermeister müssten zudem initiative Visionäre sein, die neue Ideen im Sinne der Gemeindeentwicklung zulassen und realisieren. In der  Zusammenarbeit müssen sie auch die „Cheffunktion“ wahrnehmen: „Einer muss das letzte Wort haben!“ – und die Verantwortung tragen. 

Forderungen – Wie könnte es den Bürgermeistern besser gehen?

Gefordert wurde von den Workshopteilnehmern eine der Verantwortlichkeit und den Leistungen angepasste Bezügepyramide, wobei unterschiedliche Vorschläge  zum Leistungsmaßstab – z.B. Arbeitszeit, Aufgabenkatalog, Lebensqualität in der Gemeinde – gemacht wurden. Die Einwohnerzahl soll nicht der einzige Indikator bei der Höhe der Einkommen bleiben. Ungleichbehandlungen – vor allem bei den Sozialleistungen – sollen beseitigt werden.  Im Zuge der Verwaltungsreform sollte der unübersichtliche Gesetzesbestand gestrafft und vereinfacht werden. Von den Aufsichtsbehörden wünschen sich die Bürgermeister mehr Kooperation und Unterstützung. Qualifizierung und Weiterbildung werden als wesentliche Komponenten einer ordnungsgemäßen Wahrnehmung der Funktion erachtet. 

Lösungsansätze – Was muss sich ändern?

Auf dem Weg vom „ehrenamtlichen Gemeindepascha“ zum modernen kommunalen Manager müssen Bürgermeister delegieren (lernen) – an Mitarbeiter im Amt, an externe Fachleute –, wenn die eigene Fachkenntnis nicht gegeben ist oder Überforderung droht. Eine Schlüsselfrage dabei ist die rechtliche Handlungsverantwortung im Gegensatz zur organisatorischen Verantwortung.

Wo möglich, sollen Gebietskörperschaften - übergreifende Zusammenschlüsse – gemeinsame „Back-office-Lösungen“ oder Gemeinden-Kooperationen – zur kostenschonenden Nutzung von Synergien beitragen.

Die Studie von Prof. Mazal aus dem Jahr 2006, bei der auch hunderte Bürgermeister befragt worden waren, soll als Grundlage für einen Forderungskatalog genutzt werden – mit dem Ziel, nachhaltige Verbesserungen zu erreichen.

Eine ausführliche Darstellung der Workshop-Ergebnisse und der Experten-Papers wird der Gemeindebund in den nächsten Wochen auch in gedruckter Form publizieren und allen Gemeinden zugänglich machen.

Die Studie von Prof. Mazal finden Sie hier.


Verfasser: Erika Bettstein

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