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20. Bürgermeistertag diskutierte Chancen der Globalisierung

27.06.2008
Der Österreichische Bürgermeistertag der "ARGE Ländlicher Raum" findet jährlich - heuer zum 20. Mal - im Umfeld der Wieselburger Messe statt. Bei der diesjährigen Veranstaltung diskutierten Kommunalpolitiker, Wirtschaftsgrößen und Experten zum Thema: "Regionen im Würgegriff der Globalisierung".

Unter dem Motto "Regionen im Würgegriff der Globalisierung?" fand am 26. Juni 2008 im Rahmen der Wieselburger Messe der 20. Österreichische Bürgermeistertag statt. Die Veranstalter - Arbeitsgemeinschaft ländlicher Raum und Forum Land - hatten dazu hochrangige Referenten geladen. Ludwig Scharinger, Generaldirektor der Raiffeisenlandsbank OÖ, Monika Kircher-Kohl, Vorstandsvorsitzende von Infineon Austria, und RIZ-Geschäftsführerin Petra Patzelt skizzierten in ihren Vorträgen, welche Rahmenbedingungen in den Regionen und Gemeinden gegeben sein müssten und wie man die Globalisierung als Chance nutzen könne. Anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums wurde Tagungsleiter Sixtus Lanner gewürdigt. Auch Gemeindebund-Generalsekretär Dr. Robert Hink nahm an der gut besuchten Veranstaltung teil.

Regionalisierung als Antwort auf Globalisierung

"Dieser Bürgermeistertag bietet auch heuer wieder eine Plattform für Entscheidungsträger aus ganz Österreich, um gemeinsam über zukunftsfähige Strategien für den ländlichen Raum nachzudenken. Diese Regionen gewinnen immer mehr an Bedeutung als aktiver Wirtschafts-, Lebens- und Erholungsraum", stellte Fritz Grillitsch, Obmann von Forum Land, in seinem Eingangsstatement fest.

Globalisierung sei eine große Herausforderung für den ländlichen Raum und die Landwirtschaft, die Antwort darauf heiße Regionalisierung, so Grillitsch.

"Tempo macht den Menschen Angst"

Vielen Menschen mache das Tempo der nationalen und internationalen Entwicklungen Angst, daraus entstehe das Bedürfnis nach Heimat, Identität und Überschaubarkeit. Diesen Bedarf könne der ländliche Raum abdecken, wenn die richtigen Rahmenbedingungen dafür vorhanden seien. Notwendig sei unter anderem eine entsprechende Infrastruktur. Dem trage die Bundesregierung beispielsweise mit ihrer Breitbandoffensive Rechnung. Nachdem sich die Ausgaben der kleineren Gemeinden bis 2.500 Einwohner in den letzten 17 Jahren um 170% erhöht hätten, seien auch mehr finanzielle Mittel erforderlich. "Durch den neuen Finanzausgleich bekommen kleine Gemeinden bis 10.000 Einwohner ab dem Jahr 2011 pro Jahr rund EUR 100 Mio. mehr. Außerdem sieht der neue Finanzausgleich Anreize zu einer besseren Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden vor. Wir müssen hier Stärken erkennen und Synergien zum Wohle der Bürgerinnen und Bürger besser nutzen", unterstrich Grillitsch. Als weitere Chance bezeichnete er die Nutzung neuer Marktchancen, etwa im Bereich Bioenergie.

Patzelt: Globalisierung beginnt vor der Haustür

"Die Globalisierung beginnt vor unserer Haustür", stellte Petra Patzelt, Geschäftsführerin der Regionalen Innovationszentren (RIZ) in ihrem Referat fest. Das RIZ versteht sich als NÖ Gründeragentur und verfügt über 16 Standorte im Bundesland. Niederösterreich als europäische Region sei von Wachstumsmärkten, insbesondere in den mittel- und osteuropäischen Ländern, umgeben. Um die sich daraus ergebenden Chancen zu nutzen, sei insbesondere eine regionale Innovationsstrategie - basierend auf neuen Technologien, Kooperationen, Bildung, Infrastruktur und entsprechenden Fördermöglichkeiten - notwendig. Das Bundesland Niederösterreich habe sich hier sehr gut entwickelt und sei daher auch im Vergleich mit 250 anderen europäischen Regionen von der EU-Kommission ausgezeichnet worden.

"Regionen müssen kooperieren"

An die Adresse der anwesenden Bürgermeister sagte Patzelt, dass sich nicht jede Gemeinde für ein Betriebsgebiet eigne. Dazu müssten die wichtigsten Standortfaktoren geklärt beziehungsweise optimiert werden. Die Expertin sprach sich in diesem Zusammenhang für interkommunale Standort-Kooperationen aus, also gemeinsame Investitionen und Projekte von mehreren Gemeinden. "Auch Regionen müssen mehr kooperieren und Netzwerke bilden, das kann auch über die Landesgrenzen hinausgehen", so die Referentin.

Globalisierung braucht funktionierende ländliche Räume

RLB-Generaldirektor Scharinger sprach sich ebenfalls dafür aus, die Globalisierung als Chance zu betrachten. Voraussetzung dafür seien international stabile Märkte und gerade in Österreich funktionierende ländliche Regionen. Im Agrarbereich gehe es darum, verstärkt in die Wertschöpfungstiefe zu gehen und weniger Rohstoffe, dafür mehr fertige Produkte auf den In- und Auslandsmärkten abzusetzen, regte Scharinger an. Zur aktuellen Diskussion über Lebensmittelpreise stellte er fest, es sei "gut, wenn die Produkte der Landwirte wieder etwas wert sind". Österreichs Wirtschaft habe in den vergangenen Jahren seine Exporte kontinuierlich gesteigert, das Land Oberösterreich gelte hier überhaupt als Europameister, was die Ausfuhren betreffe.

"Land lebt auf"

Scharinger hob in seinem Referat vor allem den Stellenwert einer gesicherten Nahversorgung hervor und verwies dabei auf das von der RLB Oberösterreich initiierte und mittlerweile auch in andere Bundesländer exportierte Projekt "Land lebt auf". Es handelt sich dabei um einen neuen Typus eines regionalen Versorgers, der vor allem in kleinen Gemeinden an einem Standort gebündelt Produkte des täglichen Bedarfs (Lebensmittel, Trafik, Post) - kombiniert mit einer Tankstelle, einem Buffet und einem Wochenmarkt für Gewerbe und Landwirtschaft - anbietet. Dieses Konzept habe sich sehr gut bewährt, es sei besser, auch am Land auf- statt alles zuzusperren, erklärte Scharinger.

Hohe Auszeichnungen für Dr. Sixtus Lanner

Der 20. Bürgermeistertag wurde heute zum Anlass genommen, um den Initiator und Tagungsleiter der Veranstaltung, Sixtus Lanner, auszuzeichnen. Von der Gemeinde Wieselburg Land erhielt er das Goldene Verdienstkreuz, vonseiten der Stadtgemeinde Wieselburg wurde ihm das Goldene Ehrenzeichen überreicht. Auch Forum Land-Obmann Grillitsch und die Leitung der Messe Wieselburg würdigten Lanner dafür, dass er beim Bürgermeistertag stets aktuelle, brandheiße Themen aufgriff und mit führenden Entscheidungsträgern diskutieren ließ.

Lanner selbst formulierte seinen Leitgedanken zum Tagungsthema so: "Wer in unserer globalen Wettbewerbsgesellschaft erfolgreich bestehen will, muss seine Stärken besonders hervorheben und seine Kräfte bündeln. Nicht jede Gemeinde verfügt über geeignete Voraussetzungen als Wirtschaftsstandort. Daher gilt es, in der Region die Entwicklung jenes Standortes voranzutreiben, der am ehesten den von den Investoren gewünschten Kriterien entspricht. Dies wird dann am besten funktionieren, wenn ein vernünftiger Ausgleich zwischen Kosten und Ertrag gefunden wird."




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