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Rede des Bundespräsidenten zum Nationalfeiertag

28.10.2008
In seiner Rede zum Nationalfeiertag bezog Bundespräsident Dr. Heinz Fischer Stellung zu innenpolitischen Themen und zur Finanzkrise. Dabei forderte er ein, dass die neue Regierung noch vor Weihnachten stehen müsse. Hier können Sie Fischers Rede als Video- und Audiodatei sehen bzw. hören.

Hier können Sie die Rede des Bundespräsidenten auf Video ansehen (Stream)

Hier können Sie die Rede des Bundespräsidenten nachhören (Audio-Stream)

Unter "Downloads" können Sie am Ende des Artikels das Audiofile auf Ihre Festplatte downloaden.

Die Rede des Bundespräsidenten zum Nationalfeiertag 2008 im Wortlaut

Guten Abend, meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich habe heute zum 5. Mal die Gelegenheit, mich am Österreichischen Nationalfeiertag im Fernsehen an die österreichische Bevölkerung zu wenden und zu einigen wichtigen Themen Stellung zu nehmen, die unser Land und damit uns alle betreffen.

An der Spitze dieser Themen stehen zweifellos die gravierenden Probleme im internationalen Kredit- und Bankensystem, die sich – von den Vereinigten Staaten ausgehend - so rasch ausgebreitet und so starke Wirkungen erzielt haben.

Um Schaden von Europa abzuwenden haben die europäischen Staaten - nach intensiven Beratungen im Rahmen der Europäischen Union - umfassende Maßnahmenpakete beschlossen, die auf einander abgestimmt sind und gleichzeitig auch auf die jeweilige nationale Situation angemessen Bedacht nehmen.

Dieses System bildet einen wirkungsvollen Schutzschild für unser Finanzsystem, aber auch für die einzelnen Sparerinnen und Sparer. Es beseitigt Liquiditätsengpässe bei den Banken und stärkt - wenn nötig durch staatliche Beteiligungen - deren Eigenkapitalkraft.

Die Europäische Union hat in diesem Bereich ihre Bewährungsprobe in eindrucksvoller Weise bestanden.

Dennoch wird diese Krise – wie man zugeben muss – nicht ohne längerfristige Auswirkungen bleiben.

Unsere Wirtschaftsforschungsinstitute erwarten, dass es zumindest in den nächsten beiden Jahren in ganz Europa und auch in Österreich deutlich niedrigere Wachstumsraten geben wird.

Das wird sich auf viele Wirtschaftsdaten, insbesondere auch auf die Situation am Arbeitsmarkt, ungünstig auswirken.

Österreich muss daher rasch, klug und wirksam handeln und dabei auch die Sorgen der sozial Schwächeren in unserer Gesellschaft entsprechend berücksichtigen.

Und das tun wir auch.

Schon am Montag der vergangenen Woche hat der Österreichische Nationalrat ein umfassendes Paket von Sofortmaßnahmen beschlossen, die alle den Zweck haben die Situation zu beruhigen und verloren gegangenes Vertrauen wieder zu gewinnen.

Weitere Maßnahmen zur Stärkung von Konjunktur und Kaufkraft, die auch der Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen dienen, sind in Vorbereitung.


Liebe Österreicherinnen und Österreicher!

In diesen Tagen hat auch die intensive Phase der Verhandlungen zur Bildung einer neuen Bundesregierung begonnen.

Angesichts der weltweiten Wirtschafts- und Konjunkturprobleme braucht unser Land so rasch wie möglich eine stabile und handlungsfähige Bundesregierung.

Drei Zielsetzungen sind für die Regierungsverhandlungen meines Erachtens besonders wichtig:

    * Erstens das gemeinsame Bemühen um die Bildung einer stabilen Bundesregierung, die bereit und in der Lage ist, aus Fehlern der Vergangenheit zu lernen.
    * Zweitens ein Abschluss der Regierungsverhandlungen vor Weihnachten, damit die neue Bundesregierung sobald wie möglich mit voller Kraft an die Arbeit gehen und ein zukunftsweisendes Regierungsprogramm verwirklichen kann.
    * Und drittens ein neuer Arbeits- und Regierungsstil, um verloren gegangenes Vertrauen in die Politik wieder zurück zu gewinnen und zu festigen.



Meine sehr geehrten Damen und Herren!

Auf ein Thema möchte ich in aller Kürze noch zu sprechen kommen, weil es sowohl mit der Regierungsbildung als auch mit der Wirtschaftslage zusammenhängt und das ist das Thema Europa.

Wir erleben ja in diesen Tagen hautnah, wie wichtig die Zusammenarbeit in Europa ist.

Wir erleben wie sehr sich der Euro als starke gemeinsame Währung bewährt hat.

Wir erleben auch, wie wertvoll es ist, dass europäische Interessen gegenüber den USA und anderen großen Wirtschaftsmächten von der EU gebündelt und daher wirksam vertreten werden können.

Unsere Probleme wären ohne die Kooperation in der EU noch viel, viel größer.

Daher habe ich auch in jenem Schriftstück, in dem der Auftrag zur Regierungsbildung an Bundesminister Werner Faymann enthalten ist, ausdrücklich den Wunsch festgehalten, dass die österreichische Außenpolitik weiterhin auf bewährten Grundlagen aufbaut und dass Österreich am Projekt der europäischen Zusammenarbeit weiterhin als verlässlicher Partner aktiv mitarbeitet.

Dass die neue Bundesregierung einen intensiven Dialog mit der österreichischen Bevölkerung zu allen Themen der europäischen Tagesordnung führen muss, und dabei auch auf kritische Fragen eingehen muss, betrachte ich als selbstverständlich.


Liebe Österreicherinnen und Österreicher!

Es ist also nicht zu leugnen, dass schwierige Aufgaben in Österreich und in Europa auf uns zukommen.

Aber es gibt nur wenige Länder in Europa, die so gute Voraussetzungen haben wie Österreich, diese Probleme zu lösen – soferne wir verantwortungsvoll handeln und uns gemeinsam bemühen.

Genau das wollen wir uns am österreichischen Nationalfeiertag zum Ziel setzen.

Denn der österreichische Nationalfeiertag gibt uns Zuversicht, weil er uns an das Ende der Besatzungszeit, das Neutralitätsgesetz und vor allem auch an den Wiederaufbau unseres Landes in noch viel schwierigeren Zeiten erinnert.

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend und alle Gute.




 O-Ton

Audio-O-Ton: Rede des Bundespräsidenten zum Nationalfeiertag 2008 (26.10.1008; MP3; 10 MB)
 



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